ETF Portfolio Beispiele

7 bewährte ETF-Portfolios mit Indizes für jeden Anleger

Wie du ein profitables und pflegeleichtes ETF-Portfolio zusammenstellst für deine Altersvorsorge oder ein anderes, langfristiges Investmentziel.

Ein ETF Portfolio zusammenstellen ist auf den ersten Blick verwirrend. Wenn du 3 Finanzexperten fragst, wirst du 5 Meinungen einholen. Das hat mich am Anfang ziemlich überrascht. Gibt es nicht ein bestes ETF Portfolio, das alle anderen schlägt? Ja, doch dieses perfekte ETF Portfolio existiert nur in der Rückschau. Trotzdem haben sich manche ETF-Portfolios bewährt.

Weil es eine Konstante gibt bei allen: Dein ETF-Portfolio sollte möglichst breit diversifiziert sein. Dann fällt es nicht so ins Gewicht, wenn einzelne Unternehmen insolvent werden. Viele Anleger verfallen dem Home-Bias, sie kaufen also hauptsächlich Aktien aus dem eigenen Land. Aktien von vertrauten Unternehmen sind aber keinesfalls sicherer.

Diversification is the only free lunch in investing.

Das besagt eine bewährte Börsenweisheit. Sie bedeutet, dass Diversifikation das Risiko senkt, ohne die Rendite einzuschränken.

Was zu beachten ist, wenn du ein ETF-Portfolio erstellen willst

Wenn du dich möglichst breit aufstellen willst, gibt es 7 bewährte ETF-Portfolio Beispiele, die ich dir hier vorstelle. Zu dem jeweiligen ETF-Portfolio siehst du die benötigten Indizes. Im zweiten Schritt kannst du dann ETFs wählen, die den jeweiligen Index abbilden. Für jeden Index gibt es mehrere ETF-Anbieter.

Alle Portfolios sollten langfristig angelegt sein über mindestens 10-15 Jahre ohne häufiges Hin und Her (Buy-and-Hold). So sparst du Gebühren, Steuern und vermeidest Trends zu folgen, die sich als nicht profitabel zeigen.

Bitte beachte, dass dies keine Anlageberatung ist. Sowohl ETFs als auch Indizes werden laufend neu angeboten. Das ist ein dynamischer Markt. Die Informationen sind ohne Gewähr.

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70-30 Welt ETF-Portfolio

Das 70-30 ETF Portfolio ist der Klassiker unter den ETF-Portfolios. Du machst jedenfalls nichts falsch damit. Denn es ist breit diversifiziert, simpel und bei vielen Brokern als Sparplan erhältlich. Du solltest allerdings einmal im Jahr einen Abgleich durchführen und prüfen, ob das Verhältnis 70-30 noch aktuell ist. Gegebenenfalls ist Umschichten ratsam. (Rebalancing)

Indizes für dieses Portfolio

Besonders häufig werden für dieses ETF-Portfolio die Indizes MSCI World (70 %) und MSCI Emerging Markets (30 %) verwendet. Alternative Indizes sind der FTSE Developed (70 %) und der FTSE Emerging (30 %). Der ETF-Anbieter für die FTSE-Indizes ist Vanguard.

Analyse

VorteileNachteile
Der Klassiker und fast bei jedem Broker zu erhältlichRebalancing einmal im Jahr notwendig
Du deckst fast 85 % des frei handelbaren Aktienmarktes ab.Starker Fokus auf große Unternehmen
Das häufigste ETF-Portfolio. Du hast nicht das Gefühl, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben.Starker Fokus auf die Region USA

70-30 Welt ETF-Portfolio mit Small Caps

Bei dem klassischen 70-30 ETF-Portfolio sind vor allem mittlere und größere Unternehmen gelistet. Du deckst damit fast 85 % des frei handelbaren Aktienmarktes ab. Was ist aber mit den kleineren Unternehmen, den Small Caps? Auch die sind Bestandteil eines diversifizierten Portfolios. Das ETF-Portfolio wird dadurch zwar etwas komplexer, aber auch rentabler und jedenfalls breiter diversifiziert. Zu beachten ist, dass kleinere Unternehmen sensibler auf Wirtschaftsabschwünge reagieren. Daher sind sie nicht für jeden etwas.

Indizes für dieses Portfolio

Besonders häufig wird dieses ETF-Portfolio mit den Indices MSCI World (65 %), MSCI Emerging Markets (25 %) und MSCI World Small Cap (10 %) gebaut. Du kannst das Portfolio alternativ auch erstellen mit dem MSCI World (60 %) mit dem MSCI World Small Cap (10 %) und MSCI Emerging Markets Investable Market (IMI) (30 %).

Analyse

VorteileNachteile
Breiter diversifiziert als der Klassiker. Du deckst fast 99 % des frei handelbaren Aktienmarktes ab.Rebalancing einmal im Jahr notwendig
Ein häufiges ETF-Portfolio. Du hast nicht das Gefühl, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben.Starker Fokus auf die Region USA
Komplexer und oft teurer als Sparplan, du musst 3 verschiedene ETF besparen

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All Country ETF-Portfolio

Statt 3 oder gar 4 unterschiedliche ETFs zu besparen, kannst du auch nur einen ETF auf einen sehr breiten Index wählen. Kleinere Unternehmen (Small Caps) sind zwar nicht dabei. Aber manche Anlegerinnen wünschen ausdrücklich keine kleineren Unternehmen. Denn sie erhöhen zwar die Rendite und die Diversifikation, doch sie reagieren auch sensibler auf Wirtschaftsabschwünge.

Indizes für dieses Portfolio

Für dieses ETF-Portfolio wird häufig der Index MSCI All Country World (ACWI) gewählt. Die Alternative FTSE All-World wird nur von dem ETF-Anbieter Vanguard nachgebildet.

Analyse

VorteileNachteile
Einfach: Nur ein Index, um die ganze Welt abzubilden.Keine kleineren Unternehmen (kann auch gewünscht sein)
Ein häufiges ETF-Portfolio. Du hast nicht das Gefühl, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben.Starker Fokus auf die Region USA
Kein Rebalancing jedes Jahr notwendig
Sehr gut als Sparplan und für Anfänger geeignet.

All Country ETF-Portfolio mit Small Caps

Wenn du möglichst breit diversifizieren willst, dann investiere in große, mittlere und kleine Unternehmen von Industrie- und Entwicklungsländern. Das sind über 50.000 Unternehmen derzeit! Es gibt nur einen Index, der so breit notiert. Den All Country Investable Market Index.

Der Nachteil ist nämlich, dass es für einen ETF-Anbieter nicht wirtschaftlich ist, alle Unternehmen tatsächlich zu kaufen. Stattdessen wird der Index wird mit weniger Unternehmen möglichst genau nachgebildet (optimiertes Sampling). Der einzige ETF, der den All Country Investable Market Index abbildet, hält nur etwas über 2.999 Aktien. Er könnte seinen Benchmark – den Index – womöglich häufiger nicht treffen.

Alternativ könntest du auch – wie hier in der Abbildung – einen Index auf den All Country World mit einem World Small Caps kombinieren.

Indizes für dieses Portfolio

Der Index MSCI All Country World Investable Market (ACWI IMI) ist maximal breit aufgestellt. Du könntest auch ein Portfolio erstellen mit einem All Country Index kombiniert mit einem Small Cap Index (MSCI World Small Cap) zu 10 %. Somit hast du schon mehr Aktien im ETF-Portfolio und vermeidest womöglich den Tracking Error. (ETF verpasst die Benchmark)

Analyse

VorteileNachteile
Breiter diversifiziert als der Klassiker. Du deckst fast 99 % des frei handelbaren Aktienmarktes ab.Für ETF-Anbieter ist der Index MSCI All Country World Investable Market (ACWI IMI) schwer nachzubilden. Womöglich höherer Tracking Error (Differenz zum Index)
Kein oder wenig Rebalancing notwendigStarker Fokus auf die Region USA
Sehr gut als Sparplan und für Anfänger geeignet.

60-15-25 ETF-Portfolio mit mehr Europa

Sowohl bei einem World Index als auch bei einem Emerging Markets Index bist du in europäische Länder investiert. Die USA nehmen jedoch mit gut 60 % den Löwenanteil der Geldanlage ein. Anleger, die den europäischen Markt stärken möchten, könnten bis zu 15 % investieren ihren Heimmarkt. Diese 15 % sind natürlich nur eine Annäherung. Du könntest auch etwas weniger oder bis zu 20 % investieren in Europa und noch immer breit diversifiziert sein. Doch nicht dem Home-Bias auf den Leim gehen!

Indizes für dieses Portfolio

Für dieses ETF-Portfolio sind die Indizes MSCI World (70 %) und MSCI Emerging Markets (30 %) passend. Alternative Indizes wie der FTSE Developed (70 %) und der FTSE Emerging (30 %) natürlich auch. Zusätzlich holst du dir zu 15 % den Index Euro STOXX oder MSCI Europe bzw FTSE Developed Europe in das Portfolio. Du kannst natürlich auch hier kleinere Unternehmen belegen mit einem Small Cap Index (MSCI World Small Cap) zu ca. 10 %.

Analyse

VorteileNachteile
Ausgewogenes Verhältnis der RegionenRebalancing einmal pro Jahr notwendig
ETF-Portfolio für Fortgeschrittene mit womöglich höherer RenditeKeine kleineren Unternehmen (kann auch gewünscht sein)
3 oder 4 ETFs sind unpraktisch und teurer für einen monatlichen Sparplan

Nachhaltiges ETF-Portfolio

Für viele gehört ein nachhaltiges Leben einfach dazu. Sie achten darauf, möglichst wenig Lebensmittel wegzuwerfen, vermeiden Plastik oder unnötigen Konsum. Wenn du diese Werte auch auf deine Geldanlage übertragen möchtest, dann kannst du ein nachhaltiges ETF-Portfolio zusammenstellen. Auch hier ist eine Diversifikation über alle Länder und alle Unternehmensgrößen wichtig.

Indizes für dieses Portfolio

Für nachhaltige ETFs gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Indizes. Jeder Anbieter legt sein eigenes Kriterium an Nachhaltigkeit an und das ist durchaus angreifbar. Der Indexanbieter MSCI bietet die beliebtesten nachhaltigen ETFs. Der Index ist in der Variante SRI, Select, Low Carbon oder eine Kombination davon zu erhalten. Bei nachhaltigen Indizes ist eine unabhängige Bewertung nahezu unmöglich. Deine persönlichen Werte zählen. Ich persönlich finde den FTSE Global All Cap Index interessant. Dieser bildet alle Unternehmensgrößen und Regionen weltweit ab und achtet auf strenge ESG-Kriterien.

Analyse

VorteileNachteile
Mehrheitlich anerkannte Werte werden in der Geldanlage gespiegelt.Starker Fokus auf die Region USA
Kein Rebalancing notwendigNachhaltige Indizes sind nicht unumstritten. Es ist wichtig, die Auswahlkriterien dafür genau zu kennen.

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Multifactor ETF-Portfolio

Für erfahrene Investorinnen mit einem Anlagevermögen von über 50.000 Euro kann es sich lohnen, ein Multifactor ETF-Portfolio zu erstellen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Aktien mit Faktoren wie kleine Marktkapitalisierung (Small Cap), attraktive relative Bewertung (Value), positive Preismomente (Momentum) und solide Unternehmenskennzahlen (Quality) über einen langen Investitionszeitraum rentabler bei gleicher Volatilität sind. Bis zu ca. 2 % mehr Rendite pro Jahr im Vergleich zu einem einfachen ETF-Weltportfolio sind so möglich laut Dr. Gerd Kommer.

Es gibt Finanzdienstleister, die diese 4 Faktoren regelbasiert auswählen und damit einen Index bauen. ETF-Anbieter wiederum versuchen, diesen Index passiv nachzubilden. Die Erstellung ist aber komplexer und daher die ETF-Kosten höher als bei einem einfachen Weltindex.

Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, berechnet jeder Index-Ersteller seinen Multifaktor-Index auf eigene Weise. Die Auswahl ist also durchaus nicht trivial.

Was auch zu beachten ist: Eine simple Beimischung von Multifaktor-Indizes in ein ETF-Portfolio ist nicht effektiv. Du musst schon komplett zu Multifaktor-Investing wechseln, um eine Überrendite zu generieren. Der Multifaktor-Index basiert darauf, dass die oben genannten Faktoren stärker gewichtet und die Unternehmen am anderen Ende des Spektrums eben NICHT gekauft werden.

Die Faktoren treten nicht jedes einzelne Jahr auf, erst über einen Zeitraum von 7 bis 10 Jahren wirst du wahrscheinlich eine bessere Performance erreichen. In manchen Jahren wird ein einfaches Weltportfolio besser performen. Daher ist auch Multifactor-Investing ziemlich umstritten. Viele Experten meinen sogar, dass Faktoren wie „Value“ nicht mehr auftreten aufgrund der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken. Nur überzeugte Investoren, die die Strategie verstehen, bauen ihr komplettes Portfolio um.

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Indizes für dieses Portfolio

Für dieses ETF-Portfolio sind die Indizes Goldman Sachs Equity Factor World (70 %) und der Franklin LibertyQ Emerging Markets (30 %) geeignet. Die ETFs auf den Goldman Sachs Equity Factor World sind synthetisch replizierend. Wenn du einen physisch replizierenden ETF wünscht, dann wähle den MSCI World Diversified Multifactor Index. Du kannst auch hier europäische Aktien stärker gewichten mit dem MSCI Europe Diversified Multifactor.

Analyse

VorteileNachteile
ETF-Portfolio für Fortgeschrittene ab ca. 50.000 Euro Depotvolumen mit langem ZeithorizontRebalancing einmal pro Jahr notwendig
Womöglich bis 2 % mehr Rendite pro Jahr bei gleicher Volatilität.Ggf. über mehrere Jahre schlechtere Performance als ein einfaches Weltportfolio – du musst schon überzeugt sein, um Multifactor-Investorin zu werden

Häufig gestellte Fragen

Warum gibt es kein ETF-Portfolio mit Rohstoffen?

In diesem Artikel werden ausschließlich Aktien-ETF behandelt. Aus Expertensicht ist so ein ETF-Portfolio ausreichend diversifiziert. Es ist Geschmackssache, ob du zusätzlich Rohstoffe wie Gold oder Öl über ETCs (Exchange Traded Commodities) mit in das Portfolio nimmst. Wenn du das möchtest, sollte der Anteil nicht höher sein als 10 % vom gesamten ETF-Portfolio, um noch ausreichend diversifiziert zu sein.

Warum gibt es kein ETF-Portfolio mit Immobilienaktien?

In den breit gestreuten ETF-Portfolios sind bereits Aktien von Immobilienunternehmen enthalten. Daher ist es nicht zwingend notwendig, zusätzlich in Immobilien zu investieren. Wenn du in Immobilienunternehmen (Immobilien Aktien ETF) oder direkt in Immobilien investieren möchtest, sollte der Anteil nicht höher sein als 10 % vom gesamten ETF-Portfolio, um noch ausreichend diversifiziert zu sein.

Warum befinden sich keine Kryptowährungen oder P2P Kredite im ETF-Portfolio?

Aus Sicht der Diversifikation ist ein Investment in Kryptowährungen oder ähnlichen Hochrisiko-Investments nicht notwendig. Wenn du darin investieren möchtest, sollte der spekulative Anteil nicht höher sein als maximal 5 % vom gesamten ETF-Portfolio.

Warum wird kein ETF-Portfolio mit Anleihen erwähnt?

Dieser Artikel beschäftigt sich nur mit dem risikobehafteten Teil deines Vermögens. Daher werden hier keine Anleihen als Absicherung erwähnt. Hier siehst du einen Artikel zur Asset Allocation, dieser Artikel behandelt auch den risikoarmen Teil. Als risikoarmer Teil deines Vermögens sind Anleihen von Staaten höchster Bonität AAA oder AA+ ohne Wechselkursrisiko durchaus sinnvoll. Alternativ für Privatanleger ist ein Festgeldkonto zu empfehlen, weil es einfacher ist in der Handhabung. Bei Sitz der Bank in Deutschland sind Beträge bis zu 100.000 Euro pro Inhaber gesetzlich per Einlagensicherung geschützt.

Für welches ETF-Portfolio hast du dich entschieden? Schreib es mir in die Kommentare!

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