ETF finden

Den richtigen ETF finden in 5 Schritten

Am Anfang der Geldanlage an der Börse in Aktien stellen sich viele die Frage: Wie finde ich einen für mich passenden ETF? Diese Frage ist durchaus berechtigt. Am deutschen Markt gibt es über 1.000 Aktien-ETFs mit unterschiedlichen Anlagezielen und es kommen laufend neue hinzu. In diesem Artikel erfährst du, wie ich die Suche nach einem passenden ETF angehe, zum Beispiel für die Juniordepots meiner Kinder. Ich gebe hier ausdrücklich keine Produktempfehlung, da sich die ETFs im Laufe der Zeit ändern können oder neue, vielleicht bessere Angebote hinzukommen. Was sich jedoch nicht ändert, sich die Kriterien und die Suchfilter für deine Entscheidung.

Um insbesondere für Anfänger verständlich zu sein, ist das eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Schritt 1: Ein ETF-Vergleichsportal finden

ETF-Webseiten, die ich verwende für den Vergleich, sind justetf.com oder extra-funds.de. Diese listen unter „ETF-Suche“ alle derzeit in Deutschland handelbaren ETFs auf. Sie bieten benutzerfreundliche Suchfilter, mit denen ich meine Auswahl einschränken kann. Sie machen auf mich den Eindruck, unabhängig zu sein.


Die besten Tipps kostenlos per Mail inklusive dem eBook "Die Schritt-für-Schritt-Anleitung für deine Finanzen".

eBook


Schritt 2: Filterkriterien definieren

Damit ich meinen ETF von den über 1.000 möglichen finde, mache ich mir zuerst darüber Gedanken, welche Kriterien er treffen sollte. Dies ist meine persönliche Liste an Kriterien nach Priorität geordnet. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Hier bezieht sich alles auf ETFs in der Anlageklasse „Aktien“.

Den passenden Index wählen: All World oder ACWI

Jeder ETF versucht einen bestimmten Index abzubilden. Wenn ich nach einem passenden ETF für einen monatlichen Sparplan oder eine einmalige Geldanlage bis zu 50.000 Euro suche, dann setze ich auf einen All World Index, auch abgekürzt mit ACWI Index (All Country World Index) oder AC World. Dieser ist maximal diversifiziert mit Aktien aus 23 Industrie- und 26 Schwellenländern. Zwar sind auch hier Unternehmen aus den USA besonders stark gewichtet mit ca. 58 %. Doch im Gegensatz zu Indizes wie den MSCI World sind eben noch Schwellenländer mit dabei zu ca. 10 %. Ich brauche also nicht einen zweiten ETF zu besparen nur mit Schwellenländern, um alle Länder zu belegen. Das senkt meine Orderkosten. Neben dem Anbieter MSCI bietet auch FTSE den All World Index an.

Lieber physisch als synthetisch replizierend

Sehr vereinfachend gesagt: Physisch replizierende ETFs kaufen Aktien vollständig oder großteils vollständig (optimiert bzw. sampling), um einen Index abzubilden.

Synthetisch replizierenden ETFs (Swap-ETFs) versuchen einen Index per Tauschgeschäft oder Derivat nachzubilden. Bei synthetisch replizierenden ETFs gibt es also ein Kontrahentenrisiko: Wenn ich meine Aktien verleihe, könnte mein Kontrahent insolvent werden und seine Schuld nicht mehr zurückzahlen.

Viele wenden ein, dass Kontrahenten hohe Rücklagen als Sicherheit bilden müssen. Und selbst bei physisch replizierenden Funds verleihen ETF-Anbieter ihre Aktien weiter, um einen höheren Gewinn erzielen. Das steht auch so in den Produktinformationsblättern. Wenn ich einen ETF auswähle, achte ich trotzdem auf einen physisch replizierenden ETF. Zudem werden am Markt immer seltener synthetisch replizierende ETFs angeboten – vor allem für Nichen-ETFs, deren Indizes zu teuer wären um sie physisch nachzubilden. Für einen All World oder ACWI ist das nicht nötig, meiner Auffassung nach.

Sitz in Irland wegen den Steuern

Mein drittes Filterkriterium ist Irland als Sitz des ETF-Anbieters. Das hat steuerliche Vorteile, wenn sich viele US-Aktien in dem Fund befinden. Irland hat nämlich noch ein altes Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA. Automatisch werden 30 % Steuern auf die Dividenden von den USA einbehalten. Irland kann die Hälfte davon wieder zurückerhalten. Diese Rückforderung macht der Fondsanbieter automatisch. Ein ETF mit Sitz in Irland wird also eine leicht erhöhte Performance erreichen als ein ETF mit Sitz in Deutschland oder Luxemburg.

Lieber thesaurierend als ausschüttend

Ein thesaurierender ETF investiert Dividenden automatisch, ein ausschüttender ETF überweist die Dividenden regelmäßig auf dein Girokonto. Da es mein Ziel ist, Vermögen aufzubauen für die Altersvorsorge oder für meine volljährigen Kinder, wähle ich einen thesaurierenden Fund. Dann muss ich von den ausgeschütteten Dividenden nicht wieder neue Anteile kaufen. Das würde zusätzlich Orderprovisionen kosten.

Dazu kommt: Vielleicht wäre ich noch verleitet, die Dividenden zu konsumieren. Besser, sie werden automatisch reinvestiert.

Fondsvermögen und Alter des ETF-Anbieters

An fünfter Stelle meiner Prioritätenliste steht das Fondsvermögen des ETF-Anbieters und seit wann es den ETF-Anbieter gibt. Eine Faustregel besagt, dass der ETF-Anbieter mehr als 100 Millionen Euro verwalten und seit mehr als 4 Jahren bestehen sollte. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der ETF-Anbieter sein Produkt wieder auflöst oder mit einem anderen ETF zusammenlegt. Das wäre ärgerlich für mich, denn ich müsste schlimmstenfalls meine Anteile verkaufen und auf den Gewinn Steuern zahlen. Noch dazu bedeutet es zusätzliche Arbeit für mich, einen neuen ETF zu finden. Doch ich habe auch schon einmal einen ETF gekauft, der erst vor kurzem auf dem Markt war, weil er ansonsten genau meine Vorstellungen getroffen hat.

Auf welche Filter ich nicht achte

Die Währung des ETF ist kein Filterkriterium für mich, also ist es egal ob USD oder EUR. Die Währung dient hier nur der Darstellung des Kurses (sie heißt auch Berichtswährung oder auch Fondswährung). In dem MSCI All World sind weltweit tätige Unternehmen enthalten, die ihre Umsätze in vielen Währungen erwirtschaften.

Auch sichere ich eine Währung nicht ab (hedge). Das ist bei ETFs nicht notwendig und bedeutet nur unnötige Kosten, wie ein Artikel vom finanzwesir analysiert.

Auch auf die Rendite in der Vergangenheit achte ich nicht. Ein passiver ETF soll ja nur einen Index nachbilden, nicht besser im Vergleich performen.

Auch Sektoren, Branchen oder Anlagestrategien sind für mich kein Filterkriterium bei einem ETF auf den Index All World.

Derzeit investiere ich auch nicht in nachhaltige ETF.

Schritt 3: Ergebnis nach TER ordnen

Das TER, übersetzt Total Expense Ratio, gibt an, wie hoch die jährlichen, gesamten Kosten für den ETF sind. Je weniger, desto besser für den Anleger. Daher sortiere ich nun meine ETFs, die ich gefiltert habe, nach TER von gering bis hoch. Der Begriff „Total Expense Ratio“ vermittelt, dass hier alle Kosten zusammengefasst sind. Oft kannst du lesen, dass die TER nicht alle Gebühren beinhaltet, sondern nur die, die der ETF-Anbieter in Vorhinein abschätzen kann. Steuern oder Maklerprovisionen fallen erst am Ende des Jahres an. Die tatsächlichen Gesamtkosten weißt du, wenn du dir die Tracking Difference ansiehst. Extra-funds.de zeigt die an, wenn du dich anmeldest.

Zwei bis drei der günstigsten ETFs mit den oben genannten Filterkriterien kommen nun in meine engere Auswahl.

Schritt 4: Factsheet und wesentliche Anlegerinformationen (KID oder KIID) lesen

Im letzten Schritt lade ich die Factsheets und die wesentlichen Anlegerinformationen der gewählten 2-3 ETFs herunter und lese sie mir durch. Um eine gute Entscheidung für einen der ETFs zu treffen, nehme ich mir die Zeit und versuche die Gesamtkosten, das Investmentziel und das Risiko zu verstehen. Ich drucke die „Beipackzettel“ der ETFs aus oder speichere sie digital. Mitunter kann es ein paar Tage dauern, bis ich alles durchgelesen habe, wenn ich noch andere Verpflichtungen habe.

Doch was ich jedenfalls mache, ist die ETFs tatsächlich zu kaufen. Viele trauen sich nicht, den letzten, fünften Schritt umzusetzen. Das wäre der größte finanzielle Fehler.

Schritt 5: ETF finden und Depot wählen

Wenn du deinen passenden ETF gefunden hast, dann suche ein Depot, das diesen ETF im Portfolio hat. Am besten als kostenlosen Sparplan, wenn du deinen ETF regelmäßig besparen willst. Dann musst du weniger Ordergebühren bezahlen.

Es hat sich bewährt, zuerst den ETF zu finden und dann das Depot. Onlinebroker bieten zumeist günstigere Konditionen an als Banken mit Filialgeschäft.

Fazit:

Das Auswählen eines ETFs ist nicht so kompliziert, wie es scheint. Du musst dazu kein Experte sein, nur etwas Zeit und Willen mitbringen, dein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Hab nur Mut! Den ersten Schritt hast du ja schon getan: Du informierst dich, wie eine Geldanlage in ETFs umgesetzt werden kann. Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

Hast du schon einen ETF gekauft? Wonach hast du ihn ausgewählt? Über dein Kommentar freue ich mich. Auch gerne in die Facebook-Gruppe für Mütter. Hier bekommst du Tipps von anderen Frauen, wie die das mit den Finanzen machen.

2 Kommentare

  1. Hallo Eva, ein toller Artikel und die Herangehensweise ist ja fast schon wissenschaftlich; auf jeden Fall sind alle wesentlichen Dinge, die man beachten sollte, eingehend erklärt worden. Wäre doch das I-Tüpfelschen gewesen, wenn du noch 2 -3 ETF´s mit WPKN angegeben hättest, natürlich ohne das es als Kaufempfehlung angesehen wird. Vielleicht weist du im nächsten Artikel auf ein paar kaufesnwerte ETF´s aus deiner Sicht mal hin. Gruß und Dank. Jürgen

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.