ETF finden

Wie du den richtigen ETF findest in 5 Schritten

Das Wichtigste in Kürze
  • Den richtigen ETF findest du mit den richtigen Kriterien. Für eine breit diversifizierte Strategie mit Ziel Vermögensaufbau ist es sinnvoll, wenn ein ETF folgende Kriterien erfüllt: All Country World Index, physisch replizierend, thesaurierend, Steuersitz in Irland, Fondsvermögen und günstige TER (Total Expense Ratio).

  • Zu so einer breit diversifizierten Strategie passen die ETFs von den Anbietern: SPDR (ISIN IE00B44Z5B48 und ISIN IE00B3YLTY66), Xtrackers (ISIN: IE00BGHQ0G80) bzw. Vanguard FTSE All-World (ISIN: IE00BK5BQT80).

  • Hast du schon ein Depot? Und bietet es den gewählten ETF mit einem günstigen monatlichen Sparplan an? Auch das ist ausschlaggebend für deine Wahl.
  • Am Anfang der Geldanlage an der Börse in Aktien stellen sich viele die Frage: Wie finde ich den besten ETF? Diese Frage ist durchaus berechtigt. Am deutschen Markt gibt es über 1.500 Aktien-ETFs mit unterschiedlichen Anlagezielen und es kommen laufend neue hinzu.

    In diesem Artikel erfährst du, wie du die Suche nach einem passenden ETF angehen kannst, zum Beispiel für die Juniordepots deiner Kinder.

    Um insbesondere für Anfänger verständlich zu sein, ist das eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.

    Schritt 1: Ein ETF-Vergleichsportal finden

    Hilfreiche ETF-Webseiten für einen Vergleich sind justetf.com oder extra-funds.de. Diese listen unter „ETF-Suche“ alle derzeit in Deutschland handelbaren ETFs auf. Sie bieten benutzerfreundliche Suchfilter, mit denen du deine Auswahl einschränken kannst.

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    Schritt 2: Filterkriterien definieren

    Damit du deinen ETF von den über 1.500 möglichen findest, ist es wichtig deine Kriterien zu kennen. Folgend siehst du eine Liste an Kriterien nach Priorität geordnet ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Hier bezieht sich alles auf ETFs der Anlageklasse Aktien.

    Den passenden Index wählen

    Jeder ETF versucht einen bestimmten Index abzubilden. Wenn du nach einem passenden ETF für einen monatlichen Sparplan oder eine einmalige Geldanlage bis zu 50.000 Euro suchst, dann ist ein All World Index auch abgekürzt mit ACWI Index (All Country World Index) oder AC World sinnvoll. Dieser ist maximal diversifiziert mit Aktien aus 23 Industrie- und 26 Schwellenländern. Zwar sind auch hier Unternehmen aus den USA besonders stark gewichtet mit ca. 58 %. Doch im Gegensatz zu Indizes wie den MSCI World sind eben noch Schwellenländer mit dabei zu ca. 10 %. Du brauchst also nicht einen zweiten ETF zu besparen nur mit Schwellenländern, um alle Länder zu belegen. Das senkt Orderkosten. Neben dem Anbieter MSCI bietet auch FTSE den All World Index an.

    Wie du ein ganzes ETF-Portfolio zusammenstellst mit Indizes erfährst du hier.

    Lieber physisch als synthetisch replizierend

    Sehr vereinfachend gesagt: Physisch replizierende ETFs kaufen Aktien vollständig oder großteils vollständig (optimiert bzw. sampling), um einen Index abzubilden.

    Synthetisch replizierenden ETFs (Swap-ETFs) versuchen einen Index per Tauschgeschäft oder Derivat nachzubilden. Bei synthetisch replizierenden ETFs gibt es also ein Kontrahentenrisiko: Wenn du deine Aktien verleihst, könnte dein Kontrahent insolvent werden und seine Schuld nicht mehr zurückzahlen.

    Viele wenden ein, dass Kontrahenten hohe Rücklagen als Sicherheit bilden müssen. Und selbst bei physisch replizierenden Funds verleihen ETF-Anbieter ihre Aktien weiter, um einen höheren Gewinn erzielen. Das steht auch so in den Produktinformationsblättern. Ein Kompromiss ist, den Anteil an synthetischen ETFs auf 25% vom Portfolio zu beschränken.

    Sitz in Irland wegen den Steuern

    Ein drittes Filterkriterium könnte Irland als Sitz des ETF-Anbieters sein. Es hat steuerliche Vorteile, wenn sich viele US-Aktien in dem Fund befinden. Irland hat nämlich noch ein altes Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA. Automatisch werden 30 % Steuern auf die Dividenden von den USA einbehalten. Irland kann die Hälfte davon wieder zurückerhalten. Diese Rückforderung macht der Fondsanbieter automatisch. Ein ETF mit Sitz in Irland wird also eine leicht erhöhte Performance erreichen als ein ETF mit Sitz in Deutschland oder Luxemburg. Du kannst mit ca. 0,2 % Rendite mehr pro Jahr rechnen. Wenn du sowieso keine Steuern zahlst, weil die Dividende noch innerhalb des Sparerpauschbetrages liegt, dann ist die Rendite satte 0,45 % mehr pro Jahr.

    Auch wenn dein ETF keine Dividenden ausschüttet – also thesaurierend ist – so fällt am Ende des Jahres die Vorabpauschale an. Hier wird automatisch 30 % freigestellt vor der Steuer. Nur bei einem ETF mit Sitz in Irland kannst du auch hier wieder 15 % zurückholen.

    Lieber thesaurierend als ausschüttend

    Ein thesaurierender ETF investiert Dividenden automatisch, ein ausschüttender ETF überweist die Dividenden regelmäßig auf dein Girokonto. Wenn es dein Ziel ist, Vermögen aufzubauen für deine Altersvorsorge oder deine Kinder, wähle am besten einen thesaurierenden Fund.

    Fondsvermögen und Alter des ETF-Anbieters

    An fünfter Stelle steht das Fondsvermögen des ETF-Anbieters und seit wann es den ETF-Anbieter gibt. Eine Faustregel besagt, dass der ETF-Anbieter mehr als 100 Millionen Euro verwalten und seit mehr als 4 Jahren bestehen sollte. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Anbieter sein Produkt wieder auflöst oder mit einem anderen ETF zusammenlegt. Das wäre ärgerlich, denn du müsstest Anteile verkaufen und auf den Gewinn Steuern zahlen. Noch dazu bedeutet es zusätzliche Arbeit, einen neuen ETF zu finden.

    Welche Filter nicht so wichtig sind

    Die Währung des ETF ist kein Filterkriterium bei einem globalen Investment. Beim MSCI All World sind weltweit tätige Unternehmen enthalten, die ihre Umsätze in vielen Währungen erwirtschaften.

    Auch ist ein absichern der Währung (hedge) bei langfristigen Buy-and-Hold nicht wichtig und bedeutet nur unnötige Kosten, wie ein Artikel vom finanzwesir analysiert.

    Die Rendite in der Vergangenheit ist wenig aussagekräftig. Ein passiver ETF soll ja nur einen Index nachbilden, nicht besser im Vergleich performen.

    Auch Sektoren, Branchen oder Anlagestrategien sind kein Filterkriterium bei einem klassischen Weltportfolio.

    Schritt 3: Ergebnis nach TER ordnen

    Das TER, übersetzt Total Expense Ratio, gibt an, wie hoch die jährlichen, gesamten Kosten für den ETF sind. Je weniger, desto besser für den Anleger. Um die günstigsten zu finden, sortiere die ETFs nach dem Filtern nach TER von gering bis hoch. Der Begriff „Total Expense Ratio“ vermittelt, dass hier alle Kosten zusammengefasst sind. Oft kannst du lesen, dass die TER nicht alle Gebühren beinhaltet, sondern nur die, die der ETF-Anbieter in Vorhinein abschätzen kann. Steuern oder Maklerprovisionen fallen erst am Ende des Jahres an. Die tatsächlichen Gesamtkosten weißt du, wenn du dir die Tracking Difference ansiehst. Extra-funds.de zeigt die an, wenn du dich anmeldest.

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    Schritt 4: Factsheet und wesentliche Anlegerinformationen (KID oder KIID) lesen

    Im letzten Schritt lade die Factsheets und die wesentlichen Anlegerinformationen der gewählten 2-3 ETFs herunter und lese sie durch. Um eine gute Entscheidung für einen der ETFs zu treffen, nimm dir Zeit und versuche die Gesamtkosten, das Investmentziel und das Risiko zu verstehen. Drucke die „Beipackzettel“ der ETFs aus oder speichere sie digital. Mitunter kann es ein paar Tage dauern, bis du alles durchgelesen hast.

    Doch traue dich, den ETF tatsächlich zu kaufen. Viele setze den letzten, fünften Schritt, nicht um.

    Wie alle Anlagen an der Börse sind auch ETFs mit Risiken verbunden. Über einen langen Zeitraum wie 10-15 Jahre kannst du diese aber gut aussitzen.

    Schritt 5: ETF finden und Depot wählen

    Wenn du deinen passenden ETF gefunden hast, dann suche ein Depot, das diesen ETF im Portfolio hat. Am besten als kostenlosen Sparplan, wenn du deinen ETF regelmäßig besparen willst. Dann musst du weniger Ordergebühren bezahlen. Achte auch noch darauf, dass das Depot keine jährlichen, prozentualen Depotgebühren auf das Fondvolumen verrechnet. Das kann ganz schon teuer werden, wenn du jedes Jahr bis zu 1 % deines Vermögens als Gebühr bezahlen musst!

    Es hat sich bewährt, zuerst den ETF zu finden und dann das Depot. Onlinebroker bieten zumeist günstigere Konditionen an als Banken mit Filialgeschäft. Ich habe mich für Scalable Capital* entschieden.

    Tipp: Du möchtest ein Finanzcoaching mit einer Expertin persönlich? Vereinbare jetzt ein kostenloses Erstgespräch mit mir!

    Fazit:

    Das Auswählen eines ETFs ist nicht so kompliziert, wie es scheint. Du musst dazu kein Experte sein, nur etwas Zeit und Willen mitbringen, dein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Hab nur Mut! Den ersten Schritt hast du ja schon getan: Du informierst dich, wie eine Geldanlage in ETFs umgesetzt werden kann. Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

    Hast du schon einen ETF gekauft? Wonach hast du ihn ausgewählt? Über dein Kommentar freue ich mich.

    6 Kommentare

    1. Hallo Eva, ein toller Artikel und die Herangehensweise ist ja fast schon wissenschaftlich; auf jeden Fall sind alle wesentlichen Dinge, die man beachten sollte, eingehend erklärt worden. Wäre doch das I-Tüpfelschen gewesen, wenn du noch 2 -3 ETF´s mit WPKN angegeben hättest, natürlich ohne das es als Kaufempfehlung angesehen wird. Vielleicht weist du im nächsten Artikel auf ein paar kaufesnwerte ETF´s aus deiner Sicht mal hin. Gruß und Dank. Jürgen

    2. Hallo Eva, danke für deinen Artikel. Er hat mir Mut gemacht, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich hoffe, dass ich es dann auch in die Tat umsetze und nicht zu lange mit den einzelnen Optionen ’schwanger gehe‘. Grüße, Kathrin

    3. Liebe Eva,
      super Tipps, vielen Dank. Hast Du einen Rat, wieviele ETF für einen Sparplan mit 200€ sinnvoll sind?
      Liebe Grüße, Melanie

      1. Liebe Melanie,

        alle ETFs, die ich oben erwähnt habe, sind auch gut als Sparplan geeignet. Am besten gucken, welcher Broker die auch als Sparplan kostenlos anbietet. Ich bin bei Scalable Capital, die haben sehr viele im Angebot. Aber bei dem Broker gibt es auch Nachteile. Darüber habe ich mal einen Artikel verfasst. https://www.kinderleichtefinanzen.de/scalable-capital-erfahrungen/
        Ansonsten schreibe ich auch gerne mal einen Artikel über Sparpläne. Da gibt es ja auch was zu beachten (Einmalanlage oder Sparplan, was ist besser?)

        Liebe Grüße, Eva

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