Elterngeld weniger geld auskommen

So kommst du in der Elternzeit mit weniger Geld zurecht

Das Elterngeld, das jedem Erziehungsberechtigten eines Kindes zusteht, ist nicht üppig. Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland zwar noch großzügig. Doch zumeist bedeutet das für Eltern einen deutlichen Einkommensverzicht. Oft ist es so, dass derjenige, der weniger verdient, auch länger in Elternzeit geht, damit der Verlust nicht allzu schmerzhaft ist für die Familie. Zumeist ist das dann die Mutter. Doch auch das hat langfristig Auswirkung auf Gehalt und Rente, je nachdem wie lange die Auszeit ist.

Damit die Einkommenslücke nicht zu groß wird: Dank eines bewussten Konsums lässt sich viel sparen. Auch gibt es ein paar Tipps, um das Elterngeld zu optimieren. Generell bietet sich an, die Belastung auf zwei Paar Schultern zu verteilen. Vielleicht findet sich ja auch noch Hilfe bei Großeltern, Freunden oder Nachbarn? Um Kinder zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Fast alle Eltern kennen den Spruch und können nur zustimmen.


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Wie hoch ist das Elterngeld?

Elterngeld wird vom Familienministerium ausgezahlt an Eltern von Säuglingen und Kleinkindern. Es soll ermöglichen, dass Eltern ihren Beruf teilweise oder ganz pausieren für die Erziehung der Kleinen, ohne dass die Familie gleich in eine finanzielle Schieflage rutscht. Die Höhe variiert von 300 Euro pro Monat bis 1800 Euro pro Monat und ist einkommensabhängig. Doch selbst, wenn du vorher nicht verdient hast, bekommst du jedenfalls den Mindestbetrag von 300 Euro pro Monat. Zumeist erhält jede Mutter oder jeder Vater 65 % des Nettoeinkommens vom Staat. Niedrige Einkommen erhalten bis zu 100 % Lohnersatz, hohe Einkommen müssen den Deckel von maximal 1.800 Euro pro Monat hinnehmen.

Wie kann ich das meiste aus dem Elterngeld holen?

Da bei mittleren Einkommen im Durchschnitt 65 % des Nettoverdienstes der letzten 3 Monate erstattet werden, kann alles, was den Nettoverdienst erhöht, auch zu mehr Elterngeld führen. Ein gutes Beispiel dafür ist das frühzeitige Wechseln bei Verheirateten in die Steuerklasse III. Der Elternteil, der den Großteil des Elterngeldes später bezieht, sollte schon zu Beginn der Schwangerschaft in diese steuerbegünstigte Steuerklasse wechseln. Das Elterngeld wird später vom höheren Netto ausgezahlt. Teilweise ist das deutlich mehr Geld. Der andere Partner muss gleichzeitig in die Steuerklasse V wechseln und zahlt anteilig mehr Steuern – seine Nettoeinkünfte reduzieren sich also. Mit der Steuererklärung wird das im nächsten Jahr wieder ausgeglichen.

Warum so früh wie möglich wechseln? Für die Berechnung des Elterngeldes wird zwar die Steuerklasse des letzten Monats vor Elterngeldbezug genommen. Doch wenn du in den letzten 12 Monaten häufiger die Steuerklasse gewechselt hat, wird die genommen, in der du am längsten warst.

Bei Selbstständigen ist eine ähnliche Optimierung des Einkommens möglich: Hier wird das Elterngeld anteilig vom Gewinn bezahlt. Also das, was vom Umsatz abzüglich der Ausgaben übrig bleibt. Wenn du weniger Ausgaben geltend machst, bleibt auch mehr Gewinn und ein höheres Elterngeld.

Wie lange kann ich das Elterngeld beziehen?

Das Basiselterngeld wird bezahlt ab Geburt des Kindes bis zu 12 Monaten. Wenn beide Partner Elterngeld beziehen für mindestens 2 Monate, dann erhöht sich der Anspruch auf 14 Monate. Auch Alleinerziehende dürfen 14 Monate Elterngeld beziehen.

Elterngeld wird unterteilt in Basiselterngeld, ElterngeldPlus und den Partnerschaftsbonus. Einfach gesagt, ist das ElterngeldPlus besonders interessant für Eltern, die in Teilzeit arbeiten. ElterngeldPlus beträgt zwar nur die Hälfte des Basiselterngeldes, also zwischen 150 Euro und 900 Euro. Doch du darfst daneben bis zu 30 Stunden arbeiten und kannst es doppelt so lange beziehen, also bis zu 24 Monate. Der Partnerschaftsbonus ist die Option, weitere 4 Monate extra ElterngeldPlus zu erhalten, wenn du und dein Partner ElterngeldPlus beziehen über mindestens 4 aufeinanderfolgenden Monate gleichzeitig.

Es ist sehr individuell, welche Variante für euch die klügste ist. Am besten ihr rechnet verschiedene Optionen durch mithilfe des Elterngeldrechners im Familienportal des Bundesministeriums.

Was ist der Unterschied zwischen Elterngeld und Elternzeit?

Manche Eltern verwechseln Elterngeld und Elternzeit. Auf Elterngeld hat prinzipiell jeder Anspruch, ob Arbeitsloser, Student, Hausmann oder Hausfrau. Elternzeit wird beim Arbeitgeber eingereicht. In dieser Zeit ist es möglich, die Arbeitsstunden ganz oder teilweise zu reduzieren. Bei Elternzeit in Teilzeit ist eine Betriebszugehörigkeit von 6 Monaten und eine Mitarbeiteranzahl von mindestens 15 Voraussetzung. Der Arbeitgeber darf gegen eine 100 % Reduktion der Arbeitszeit keinen Einwand erheben. Aus dringenden betrieblichen Gründen ist es dem Arbeitgeber jedoch erlaubt, Einspruch gegen Teilzeit in Elternzeit zu erheben. Diese dringlichen, betrieblichen Gründe müssen schriftlich glaubhaft gemacht werden. Hier gelten ähnlich hohe Anforderungen wie bei einer Kündigung aus betrieblichen Gründen.

Die Ablehnung ist für Unternehmen eher schwierig umzusetzen. Ein Beispiel: Auch der Arbeitgeber meines Mannes hat dringende betriebliche Gründe angeführt, um die Teilzeit in Elternzeit abzulehnen. Wir haben einen Anwalt konsultiert, der ein Antwortschreiben formulierte. Darin haben wir auf die Elternzeit in Teilzeit bestanden. Das Unternehmen hat dann beschlossen, lieber eine Abfindung zu bezahlen und den Arbeitsvertrag zu beenden, als ihn in Teilzeit weiterzuführen. Das mag für manche abschreckend sein, doch für uns hat es sich so ganz gut gefügt. Nebenbei: Hier lässt sich durchaus anzweifeln, ob so ein Vorgehen nicht etwas kurzfristig gedacht ist für ein modernes Unternehmen. Denn das auch Wirkung auf das Betriebsklima! Jedenfalls ist das Recht auf Teilzeit in Elternzeit stark in Deutschland. Meiner Meinung nach sollten wir Eltern auch davon Gebrauch machen. Obwohl mir natürlich klar ist, dass dies nicht für alle möglich ist.

Es ist möglich, bis zu 3 Jahre Elternzeit pro Kind zu erhalten. Das gilt für die Mutter und den Vater gleich, egal ob in Teilzeit oder ganz zu Hause. Elterngeld, also der monetäre Ausgleich vom Familienministerium, wird maximal in den ersten 14 Monaten gewährt (beziehungsweise in den ersten 28 Monaten bei ElterngeldPlus mit Partnerbonus).

Wie ihr Elterngeld und Elternzeit aufteilt, hat Auswirkungen auf später

Es wird oft diskutiert, dass es Auswirkung auf dein Gehalt später und somit auf deine Rente hat, solltest du dich entscheiden, lange in Teilzeit zu arbeiten oder sogar komplett die Stunden zu reduzieren. Warum? Pro Kind erhältst du derzeit 3 volle Entgeltpunkte, für jedes Jahr einen Entgeltpunkt für die Rente. Falls du länger nicht erwerbstätig sein solltest, erhältst du für die weiteren Jahre zu Hause keine Rentenpunkte mehr. Auch bei Teilzeit werden anteilig weniger Rentenpunkte angerechnet, da die abhängig sind vom Einkommen und du ja auch weniger verdienst.

Automatisch werden der Mutter 3 Entgeltpunkte pro Kind angerechnet. Ihr habt dann jedoch noch Zeit, das bei der deutschen Rentenversicherung zu korrigieren und die Punkte dem Vater zu überschreiben. Das verjährt nicht.

Doch nicht nur die Rente ist betroffen: In manchen Unternehmen ist eine Karriere in Teilzeit schwer vorstellbar. So ein Einkommensverlust muss natürlich auch in die Zukunft fortgeschrieben werden.

Viele bieten ihren Mitarbeiten jedoch neue Arbeitszeitmodelle an und fördern so aktiv die Work-Life-Balance. Das hat schließlich auch für das Unternehmen Vorteile. Hier am besten gut vorbereiten und bei der HR-Abteilung und dem Manager nachfragen.

Es ist nicht einfach, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Klar, der Einkommensverlust ist ein Argument gegen Elternzeit und Teilzeit. Doch es gibt auch einen Zugewinn an Lebensqualität, wenn Frauen und Männer etwas mehr Zeit für sich und die Familie haben und Elternzeit nehmen.

Während des Elterngeldbezugs zu arbeiten, lohnt sich meist nicht

Wenn du während des Elterngeldbezugs arbeitest, wird dein Zuverdienst direkt angerechnet. Eine Mutter verdient beispielsweise 1.500 Netto pro Monat vor Geburt. Ihr Basiselterngeld ist 65 % davon, also 975 Euro. Sollte sie sich dazu entscheiden, einen Job für 500 Euro pro Monat anzunehmen und gleichzeitig Elterngeld zu bekommen, dann wird der Zuverdienst voll angerechnet und das Elterngeld reduziert sich auf 650 Euro (1.500 Euro – 500 Euro ist 1.000 Euro; davon 65 % sind 650 Euro). Sie hat also nur noch gesamt 1.150 Euro gesamt zur Verfügung und muss nebenher arbeiten. Das lohnt sich kaum, zumal die Kinderbetreuungskosten dann auch zu berücksichtigen sind.

Wie kannst du den Einkommensverlust abfedern?

Beim ersten Kind war ich als Mutter 12 Monate in Elternzeit, mein Mann 2 Monate. Beim zweiten waren wir schon etwas unkonventioneller. Da war ich 9 Monate zu Hause, danach 3 Monate in Teilzeit und ab dann in Vollzeit beschäftigt. Mein Mann nahm insgesamt 2 Jahre ab Geburt Elternzeit. Die drei Jahre Elternzeit gelten nämlich pro Kind und pro Elternteil!

Natürlich bedeutete das für unsere Familie einen erheblichen Einkommensverlust über die letzten Jahre. Folgendes hat uns dabei geholfen, die Zeit zu überbrücken:

Behalte deinen Finanzen im Blick mit dem Haushaltsbuch

Prinzipiell empfiehlt es sich immer, ein Haushaltsbuch zu führen. Aufgrund des Haushaltsbuches konnten wir früh mit dem Sparen anfangen und verfügten bald über ein finanzielles Polster, das wir an der Börse in ETFs investiert haben. Damit ließ es sich ein besser entscheiden, wie lange wir in Elternzeit bleiben wollen. Doch auch, wenn du noch nicht damit begonnen hast und keinen Notgroschen angespart hast: Fange am besten jetzt damit an. Dafür ist es nie zu spät.

Sparen kannst du mit Kindern in vielen Bereichen

Beim Baden, beim Einkaufen und auch beim eigenen Auto gilt: Weniger ist mehr. Wasser reicht für die Körperpflege der Kleinen, vielleicht gelegentlich einen Tropfen eines hochwertigen Öls. Frisch, regional und selbst gekocht ist das Essen nicht nur gesund, sondern auch günstig. Wer schon mal den Preis verglichen hat von Erdbeeren im Januar zu den Erdbeeren im Juni weiß Bescheid. Und dann erst der viel bessere Geschmack von regionalen Produkten! Wir haben erst einen gebrauchten Wagen gekauft, als die Kinder da waren. Bis dahin ließ sich gut alles mit den Öffentlichen erledigen. Mit kleinen Kindern und am Land spricht jedoch viel für ein eigenes Auto, zumindest für uns.

Die Babyausstattung im ersten Jahr schlank halten

Jeder plant das erste Jahr mit Kind anders. Unsere komplette Babyausstattung im ersten Jahr kostete unter 1.000 Euro. Das war möglich mit einem gebrauchten Kinderwagen und viel geliehener Kleidung von Freunden. Vor allem den ganz Kleinen passt der Strampler nur zwei Wochen. Manchmal wird er nur einmal aufgetragen. Zumeist sind Freunde und Familie ganz glücklich, Kleidung aus dem Keller an die jungen Eltern weitergeben zu dürfen. Spielzeug war im ersten Jahr bei unseren Kindern ohnehin nicht notwendig. Denn für sie war ein Topf und ein Kochlöffel schon aufregend genug. Jeder hat andere Vorstellungen, wie der Familienalltag am besten klappt. Für uns war das mit einem Familienbett. Bestimmt ist das nicht für alle etwas, aber ein extra Kinderbettchen war dann nicht mehr notwendig. Einen Wickeltisch braucht vor allem jemand, der nicht genug Stauraum zu Hause hat. Wenn du immer ausmistest, dann reicht auch eine Wickelauflage, die du auch selbst bauen kannst.

Nutze die Zeit vor der Geburt, um deine Wohnung zu entrümpeln.

Am besten alles bei Ebay Kleinanzeigen verkaufen oder verschenken. In den letzten 2 Jahren habe ich damit über 750 Euro erhalten. Das kann sich richtig lohnen. Das Geld muss nicht versteuert werden, wenn deine Verkäufe nicht gewerblich sind und nicht unverhältnismäßig hoch. Am besten du beachtest diese Tipps, damit du einen hohen Preis erzielst.

Fazit

Für die meisten Familien bedeutet die Zeit, in der sie Elterngeld beziehen, einen herben Einkommensverlust. Für manche ist es sinnvoll, in Teilzeit weiterzuarbeiten mit dem ElterngeldPlus.

Sobald jedoch beim Basiselterngeld etwas dazuverdient wird, muss der Betrag voll angerechnet werden und das Elterngeld verringert sich somit. Die einzige Möglichkeit, das Elterngeld zu optimieren, liegt in einem Wechsel der Steuerklasse während der Schwangerschaft oder, bei Selbstständigen, in mehr Gewinn. Es ist natürlich großartig, wenn du zusätzlich schon ein finanzielles Polster aufgebaut hast. Dann ist es einfacher, die beste Entscheidung für euch zu treffen. Unterm Strich hilft während der Elternzeit sonst nur der Konsumverzicht. Doch das Leben mit Kindern muss nicht teuer sein. Wunderbare Erlebnisse werden jedenfalls auch ohne viel Ausgaben möglich.


Was sind deine Tipps für die Elternzeit? Hast du eine Möglichkeit gefunden, besonders viel Geld zu sparen? Wie hast du die Zeit mit deinem Partner aufgeteilt?

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