Was ist Inflation und was bedeutet sie im Alltag?

Was ist Inflation

Inhaltsverzeichnis
 

Aufgrund der Inflation verliert dein Geld an Kaufkraft. Über einen kurzen Zeitraum von nur 1 bis 2 Jahren wirst du das kaum bemerken. Doch über mehrere Jahre ist der Effekt groß. Im Jahr 2015 kosteten 250 Gramm Butter beispielsweise nur 1,50 Euro. Heute liegt der Preis schon bei rund 2,29 Euro. Um ca. 50 % höher als vor 6 Jahren.

Noch eindrücklicher als die Butter ist aktuell der Benzinpreis, wie diese Grafik beweist. Vor allem seit Anfang 2021 steigt der Benzinpreis kräftig und erhöht somit auch die Inflationsrate.

Statistik: Durchschnittlicher Preis für einen Liter Superbenzin in Deutschland von Mai 2020 bis Mai 2021 (in Cent) | Statista

So wie dieses halbe Pfund Butter wird beinahe jedes Lebensmittel, der Benzin, Dienstleistungen, Möbelstücke und die Miete teurer durch die Inflation. Warum das so ist und wie du dein Geld vor dem Kaufkraftverlust schützen kannst, erfährst du hier.

Was ist eine Inflation einfach erklärt?

Inflation (aus dem Lateinischen “inflatio”) bedeutet übersetzt “Aufblähen” oder “Anschwellen”. Kommt es in einer Wirtschaft zu einer Inflation, blähen sich die Preise auf. Viele Produkte, wie in unserem Beispiel die Butter, werden immer teurer.

Der Kehrwert der Inflation ist die Kaufkraft. Steigt das Preisniveau in einem Land, sinkt die Kaufkraft des Geldes und umgekehrt. Tendenziell steigendes Preisniveau nennt man Inflation, fallende Preise bedeuten Deflation.

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Du kannst den Artikel auch bequem hören im “Meine Mäuse Podcast”. Mein Finanzbloggerkollege Nico und ich sprechen über Inflation und wie wir uns persönlich davor schützen.

Wie wird Inflation gemessen?

Die Inflation kann anhand des Verbraucherpreisindex für Deutschland gemessen werden, den das Statistische Bundesamt jeden Monat veröffentlicht. Die prozentuale Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahreszeitraum wird oft als Inflationsrate bezeichnet.

Stark vereinfacht kannst du dir vorstellen, dass die Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes jeden Monat die gleichen Produkte und Dienstleistungen einkaufen. Dabei versuchen sie genau die Konsumgewohnheiten des durchschnittlichen Haushalts in der Region abzubilden. Dann vergleichen sie die einzelnen Preise über die Zeit und lesen so die Inflationsrate ab.

Wahrscheinlich wird deine Konsumgewohnheit nicht genau dem Durchschnitt in deiner Region entsprechen. Du kannst deine persönliche Inflationsrate berechnen mit dem Rechner von DeStatis.

Jedes Land in Europa erhebt seine eigene Inflationsrate und leitet diese weiter an die Eurostat. Die dorthin übermittelten Werte sind Basis der Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Deren Ziel ist es nämlich, die Teuerungsrate bei ungefähr 2 % pro Jahr zu erhalten. Ist die Inflationsrate niedriger, setzt sie geringere Leitzinsen an. Ist die Teuerungsrate höher, hebt sie die Leitzinsen.

Durch geringe Zinsen versucht die EZB, die Bevölkerung zu mehr Konsum zu bewegen. Denn wenn der Wert des Geldes über die Zeit steigt wie bei einer Deflation, dann sparen die Menschen auch mehr. Die Nachfrage geht zurück. In der Theorie der Zentralbank wäre die Folge davon ein Wirtschaftsabschwung.

Kritik an der Messung

Zahlreiche Bürger bemängeln die Messung der Inflationsrate. Hauptkritikpunkt ist, dass nur die Verbraucherpreisinflation mithilfe des Warenkorbes gemessen wird. Nicht aber die Vermögenswertinflation.

Die Preise von Vermögenswerten wie Immobilien und Aktienkurse kannten in den letzten Jahren nur eine Richtung: steil nach oben. In der Verbraucherpreisinflation taucht diese Entwicklung jedoch nicht auf. So meinen viele, dass die gefühlte Inflation viel höher sei als die tatsächlich gemessene. Die EZB sollte folgerichtig ihre Leitzinsen wieder erhöhen. Denn durch die niedrigen Zinsen und die immer höheren Preise für Vermögenswerte werden die Armen ärmer und die Reichen reicher. So die Argumentation.

Diesen Vorwurf hat die EZB gehört, es wird tatsächlich an einer Inflationsrate inklusive Vermögenswertinflation gearbeitet. Dies ist in der Umsetzung durchaus anspruchsvoll, aber offensichtlich zu lösen.

Ob eine höhere Inflation die EZB tatsächlich zum Umdenken bewegen könnte, bleibt aber ungewiss.

Was sind die Folgen der Inflation?

Aufgrund der Inflation werden Produkte und Dienstleistungen teurer. Doch das ist nur ein Effekt. Vor allem unser Geld auf dem Sparkonto verliert an Wert über die Zeit. Die Konsequenzen sind ganz beträchtlich:

Wenn du beispielsweise 50.000 Euro am Girokonto belässt bei durchschnittlich 2 % Inflation pro Jahr, dann ist dein Geld in 30 Jahren nur noch ca. 27.600 Euro wert. Um der Inflationsrate zu begegnen, ist ein Investment mit hoher Rendite notwendig. Hier bietet sich eine breit diversifizierte und kostengünstige Geldanlage in ETF an. Mit einer durchschnittlichen, nominalen Rendite von 7 % (ohne Inflation) bzw. realen Rendite von 5 % (mit Inflation) kannst du dem Kaufkraftverlust entkräften und sogar Vermögen aufbauen. Die Rendite wird jedoch nicht durchschnittlich gewährt. An der Börse geht es auf und ab. Erst nach einem langen Zeitraum von über 15 Jahren und einer breiten Diversifikation ist ein Investment an der Börse sinnvoll.

Aber Inflation ist nicht nur nachteilig. Für Schuldner kann eine Inflation vorteilhaft sein, doch nur wenn sie unerwartet hoch ist.

Warum sind Schulden bei Inflation gut?

Eigentlich ist die Rechnung simpel. Das Geld verliert bei der Inflation über die Zeit an Kaufkraft. Dann sind diejenigen, die einen Kredit aufgenommen haben, fein raus. Ihr Geld war bei der Zuteilung noch viel Wert. Die monatliche Rückzahlung über 20 Jahre bleibt über die gesamte Laufzeit gleich hoch. Somit sorgt die Inflation dafür, dass sie immer weniger für einen Kredit bezahlen müssen.

Bei dieser Rechnung muss noch zwischen erwarteter und unerwarteter Inflation unterschieden werden. Denn die erwartete Inflation wird beim Kauf von einer Wertanlage auf Kredit schon von den Banken und dem Voreigentümer berücksichtigt. Das Asset ist schon teurer. Erst wenn eine unerwartet hohe Inflation eintritt, mit der die Bank also nicht gerechnet hat, wäre der Schuldiger in Vorteil.

Was tun gegen die Inflation?

Ein sinnvoller, langfristiger Schutz gegen Inflation sind Sachwerte wie Immobilien, Aktien oder Rohstoffe mit einer hohen jährlichen Rendite. Finanzprodukte, die auf Geldwerten basieren, wie das Girokonto, ein Festgeld- bzw Tagesgeldkonto oder deutsche Staatsanleihen verlieren an Wert mit der Inflation.

Eine Geldanlage in Aktien ist für Privatanleger besonders gut passend, um sich vor einer Inflation zu schützen. Aktien versprechen im Vergleich zu allen anderen Vermögenswerten die höchsten Renditen. Das hat die Vergangenheit gezeigt. Doch nur, wenn sie lange genug gehalten werden, kostengünstig und breit diversifiziert sind. Wie bei ETFs.

Kurzfristig kann es übrigens passieren, dass Aktienkurse fallen, sobald die Inflation steigt. Langfristig werden Aktien jedoch profitieren. Schließlich sind sie Anteile von Unternehmen. Und die meisten Unternehmen reagieren auf höhere Preise und geben diese weiter an uns Konsumenten.

So haben Investorinnen zwar mit höheren Preisen im Alltag zu kämpfen, doch ihr Vermögen steigt.

Fazit:

Auf den ersten Blick ist die Inflation ein einfacher Finanzbegriff. Schon allein die Messung ist aber komplex. Unsere individuellen Konsumgewohnheiten können nicht mit einer simplen Kennzahl zusammengefasst werden. Zudem wird die Vermögenswertinflation nicht berücksichtigt, die aufgrund der immer höheren Kaufpreisen von Immobilien an Relevanz gewinnt. Daher überrascht es nicht, dass viele die Berechnung der Inflation bemängeln. Sie hat massiv Wirkung auf den Leitzins der EZB und unsere Volkswirtschaft. Wir sollten sie als Privatanlegerinnen schon genau beobachten.

Was ist deine Meinung zu der Berechnung der so wichtigen Kennzahl? Schreib es mir in die Kommentare. Darüber freue ich mich.

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