Taschengeld ja oder nein

Das Kinderkonto bei den Eltern für Taschengeld und Geldgeschenke

Bekommt dein Kind Taschengeld oder Geldgeschenke, fragen sich viele Eltern, wie das Geld am besten verwaltet werden soll. Die meisten denken dann an ein Kinderkonto. Doch muss das Konto immer bei einer Bank sein? Aufgrund der wirtschaftlichen Lage sind auch hier die Zinsen mickrig. Auch erscheint es vielen Eltern hart, ihren Kindern einen Wunsch an der Supermarktkasse abzuschlagen, weil sie gerade ihre Geldbörse oder ihren Zugang zum Kinderkonto nicht parat haben. Es gibt eine praktische Alternative: Ein Kinderkonto bei den Eltern! Doch wie funktioniert das und was machst du mit den Geldgeschenken zwischendurch?


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Welches Konto ist für mein Kind geeignet?

Vielleicht denkt ja auch ihr in eurer Familie, dass es nicht notwendig ist, ein Kinder-Girokonto bei einer Bank zu eröffnen. Das ist zumeist möglich ab 7 Jahren. Banken bieten oft Kindern Konten an, damit die Kleinen später auch noch der Institution treu bleiben, obwohl sie vielleicht nicht mehr die günstigsten Konditionen am Markt haben. Es ist umstritten, ob ein kleines Kind schon ein eigenes Konto oder gar eine eigene EC-Karte braucht. Schließlich verleitet das Bezahlen mit Karte, mehr auszugeben als geplant.

Eine Lösung inspiriert von Mr. Moneymoustache ist, dass Eltern selbst die Bank für ihre Kinder sind und ein Kinderkonto eröffnen! Dabei zahlt dein Kind Geld bei dir ein oder hebt direkt bei dir ab. Das lässt sich am besten über ein Excel oder eine Google Sheets Datei aufzeichnen.

In unserer Familie erhalten unsere Kinder überaus großzügige Zinsen von 10 % pro Jahr. Welche Bank bietet das schon an! Die Zinsen werden monatlich ausgeschüttet. So lernen die Kleinen, was für einen großen Anteil an Geld sie monatlich „passiv“ erwirtschaften können, falls sie diszipliniert sparen. Der Zinseszinseffekt lässt sich damit auch sehr schön zeigen.

Jeder ausgegebene Euro bedeutet im Umkehrschluss auch ein Verlust an möglichen Zinsen.

Unser Kinderkonto können die Kids nicht überziehen, Dispozinsen fallen also nicht an.

Hier habe ich ein Beispiel in Google Sheets erstellt. Du kannst es zwar nicht bearbeiten, aber die Formeln ansehen. Es wirkt nur auf den ersten Blick etwas kompliziert, ist aber einfach, wenn du folgende Schritte befolgst.

  1. Sobald dein Kind etwas bei dir abhebt oder einzahlt, den Betrag in eine neue Zeile eintragen (Spalte B). Datum mit eintragen. (Spalte A).

  2. Beim Monatsabschluss ca. alle 30 Tage die Zinsen berechnen. Dafür auch hier eine neue Zeile einfügen und das Datum eintragen.

  3. Um zu berechnen, wie hoch die Zinsen von einem Zahlungseingang des vergangenen Monats sind: Zuerst berechnen, wie viele Tage der jeweilige Zahlungseingang schon auf dem Konto war. Also das Datum vom Zahlungseingang abziehen vom Datum des Monatsabschlusses (Spalte C). Daraus berechnet sich der tageweise Zinssatz (Spalte D) und der Zinsertrag (Spalte E). Tipp: Zinssatz, Zinsertrag und der TOTAL-Betrag (Spalte F) errechnen sich automatisch, wenn du diese Formeln vom Google Sheets Beispiel in die neue Zeile kopierst und die Zellen anpasst.

  4. Nun die gesamten Zinsen für den Monat berechnen. Die summieren sich aus den Zinsen (10 % p.a. dividiert durch 12) vom TOTAL des Abschlusses vom Vormonat und den einzelnen Zinserträgen der Zahlungseingänge des aktuellen Monats.
Beispiel Kontoumsätze Kinderkonto

Was passiert mit kleinen Geldgeschenken zwischendurch?

Was ist, wenn Kinder oft von Oma, Opa oder anderen nahen Verwandten Geld geschenkt bekommen? Sei es bei Geburtstagen, zu feierlichen Anlässen oder einfach nur so? Torpediert das nicht gleich das Ansinnen der Eltern, das Haushalten mit Geld zu lehren? Schließlich ist es dann plötzlich ganz einfach, das neue, teure Spielzeug im Supermarkt gegenüber zu erstehen.

Jede Familie handhabt kleine Geldgeschenke von Verwandten anders. Manche Eltern verbieten diese sogar. Wenn du jedoch einen praktischen Mittelweg suchst, dann hilft dir vielleicht diese Lösung:

  1. Große Geldgeschenke zu feierlichen Anlässen werden investiert und in ein Kinderdepot überwiesen. Falls ihr innerhalb von wenigen Jahren auf den gesparten Betrag zugreifen wollt, dann besser auf ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto sparen. Die Zinsen sind zwar mickrig, Aktienkurse können aber zwischenzeitlich in einer Krise stark fallen.

    Bei einem langen Anlagehorizont von ca. 15 Jahren oder länger hat ein Investment an der Börse jedoch die beste Rendite. Gerade diese lange Anlagedauer ist bei Kinder sehr oft möglich!

  2. Kleinere, monetäre Aufmerksamkeiten zwischendurch sind in Ordnung, soweit sie nicht ein Vielfaches des Taschengeldes übersteigern. Ein guter Richtwert ist, dass jedes Geldgeschenk über den dreifachen monatlichen Taschengeldbetrag lieber gespart oder investiert anstatt sofort ausgegeben wird.

Ist es sinnvoll meinem Kind das Taschengeld zu kürzen aus Strafe?

Hat das Kind eine schlechte Note in Englisch mit nach Hause gebracht? Dann liegt es für manche Eltern nahe, das Taschengeld für diesen Monat zu streichen. Diese Strafe ist einfach umzusetzen und gleichzeitig auch sehr effektiv. Die Eltern haben auf jeden Fall die volle Aufmerksamkeit ihrer Kinder damit. Aber ist es auch eine sinnvolle Strafe?

Wer Geld als Druckmittel kennenlernt, für den ist es negativ besetzt

Wenn sich Eltern dafür entschieden haben, ihren Kindern Taschengeld zu zahlen, dann wahrscheinlich, weil sie ihnen einen guten Umgang mit Geld lehren wollen. Kinder rechnen mit dem monatlich vereinbarten Taschengeld. Wir als Erwachsene erhalten nicht sofort eine Lohnkürzung, wenn wir in einem Monat mal nicht 100 % geben konnten. Genauso möchte auch das Kind das vereinbarte Geld. Wenn die Eltern die Zahlung aussetzen, dann lernt es, dass ein Planen mit Geld nicht möglich ist.

Was aber tun, wenn das Kind sonst nicht zu erreichen ist? Oder, wenn es etwas mutwillig zerstört?

Was könnte passieren, wenn ich mein Kind für Aufgaben im Haushalt bezahle?

Manche Eltern fragen sich, ob sie ihre Kinder für altersgerechte Aufgaben im Haushalt entlohnen sollten. So wird das Aufräumen des Kinderzimmers honoriert, genauso wie das Helfen im Garten oder das Saubermachen der Küche. Vielleicht kann das auch für euch ein Weg sein, euren Kindern einen guten Umgang mit Geld zu lehren. Schließlich haben dann eure Kids das Gefühl, das Geld aus eigener Kraft verdient zu haben.

Das macht die Kleinen sehr stolz!

Andererseits sollte nicht für Selbstverständlichkeiten bezahlt werden. Oder wollt ihr, dass eure Tochter zu euch sagt: „Einmal nach dem Mittagessen das Besteck in den Geschirrspüler? Macht 5 Euro Mama!“.

Wie schafft man hier eine Balance?

Wie sinnvoll ist es, Taschengeld von Schulnoten abhängig zu machen?

Viele Eltern fragen sich, ob sie Taschengeld von der Leistung in der Schule abhängig machen sollen. Schließlich ist es auch im Berufsleben oft so, dass die, die mehr leisten, höhere Boni erhalten. Vor allem bei VerkäuferInnen, GeschäftsführerInnen und UnternehmerInnen. Warum sollte man die Kinder nicht schon früh heranführen an ein Belohnungssystem, das für so einkommensstarke Berufsgruppen funktioniert?

Tatsächlich sprechen Argumente für eine Bezahlung nach Noten

So ist es ein Belohnungssystem, das ziemlich einfach umzusetzen ist. Einmal wird zu Beginn des Schuljahres mit den Kindern vereinbart, wie viel zusätzliches Taschengeld für bessere Schulnoten ausbezahlt wird. Sobald das Semesterzeugnis vorliegt, ist Zahltag. Gerade weil es so simpel ist, sind wir als Eltern auch konsequent. Eine regelmäßige Auszahlung ist wichtig beim Taschengeld, damit sich Kinder auch darauf verlassen können, und das zuvor Vereinbarte zur Gewohnheit wird.

Sagen Schulnoten etwas über den späteren Erfolg im Leben aus?

Dagegen spricht, dass Schulnoten oft wenig darüber aussagen, wie ehrgeizig, talentiert oder kreativ deine Kinder sind oder später sein werden. Vielleicht ist dein Kind ein Spätzünder und entdeckt erst beim Studium seine Leidenschaft für ein Fach. Oder es kann kaum still sitzen, weil es so einen unbändigen Bewegungsdrang verspürt. Das fällt bei manchen Lehrern negativ auf und wird mit schlechteren Noten bestraft.

Sollen diese – vielleicht – späteren Olympiasieger schon in jungen Jahren mit Geld diszipliniert werden?

Fazit:

Wie ihr seht, gilt es sich viele Gedanken zu machen, bevor ihr Taschengeld bezahlt. Mit einer einfachen monatlichen Überweisung eines Betrages X würden wir es uns zu leicht machen. Daher ist auch eine alleinige Betrachtung von den so beliebten Taschengeldtabellen, die je nach Alter einen Vorschlag für ein optimales Taschengeld liefern, zumeist nicht ausreichend. Doch wenn ihr die wichtigsten Fragen für euch geklärt habt, steht einem guten Umgang mit Geld nichts mehr im Wege. Dafür ist es nie zu spät.


Wie hast du das für deine Kinder gelöst? Habt ihr ein Kinderkonto?


Die besten Tipps kostenlos per Mail und als Extra die Geschichte zum Hören für Kinder: "Der Rabe und das Eichhörnchen".


2 Kommentare

  1. Sehr interessanter Beitrag. Mein Sohn ist geistig schwerst behindert und kann bisher nicht rechnen. Trotzdem gibt er der Kassiererin das Geld und ich zeige ihm die Zahl auf dem Geldschein. So lernt er, dass man bezahlen muss. Er hat ein Sparbuch, auf das ich jährlich 1.000 Euro überweise, von dem er auch Schwimmbad- Ausflüge bezahlt und andere Eintrittskarten. Viele Grüße von Kerstin

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