Rentenlücke berechnen

Wie du jetzt deine Rentenlücke berechnen kannst und sie schließt

Kennst du deine Rentenlücke?

Die Rentenlücke ist der Betrag, den du noch zusätzlich zu der staatlichen Renten brauchst, um deine Ausgaben auch im Alter voll zu decken. Besonders Frauen werden später wenig staatliche Rente zur Verfügung haben, da sie eher in Teilzeit arbeiten oder für die Kinder zu Hause bleiben. Ihre Rentenlücke ist daher hoch.

„Alles klar. Aber wie viel Geld muss ich denn jetzt zur Seite legen für später?“ wirst du dich wohl fragen.

Ein sinnvoller ersten Schritt ist, dass du zuallererst deine Rentenlücke berechnest. Und die einfache Faustregel kennst, wie du sie schließen kannst.

Mich betrifft das doch nicht, oder?

Natürlich lässt sich einwenden, dass mehr Rente bleibt, wenn Paare zusammen in Rente gehen. Doch mehr als jede dritte Ehe wird geschieden. Schon jetzt leben über 2,2 Millionen Alleinerziehende in Deutschland, zu 90 % sind das Frauen. Dazu kommt: falls der Ehemann stirbt, ist die Witwenrente, die die Frau dann erhält, erheblich geringer als die herkömmliche Rente des Mannes. Ein Mann ist keine Altersvorsorge. Auch die Politik wird aufgrund der demografischen Entwicklung wenig gegensteuern können.

Als armutsgefährdet gelten Menschen, die weniger als 958 Euro pro Monat zur Verfügung haben. 958 Euro oder weniger im Monat, das ist nicht viel. Umso überraschender ist es, dass wahrscheinlich in 15 Jahren jede fünfte Rentnerin damit zurechtkommen muss. Wenn das so weiter geht in 30 Jahren jede vierte Frau oder jeder vierte Mann. Die Altersarmut betrifft durchaus auch Männer.

Natürlich kann die Berechnung deiner Rentenlücke jetzt nur eine Annäherung sein. Zu viele Unbekannte wie dein zukünftiges Erwerbsleben oder politische Entscheidungen sind Teil der Gleichung. Aber du bekommst jedenfalls schon einen ersten Hinweis darauf, was dich später erwartet.

Wie viel Rente bekommst du?

Zu Beginn machen wir Kasse und addieren, wie viel voraussichtlich von der staatlichen, staatlich geförderten und privaten Altersvorsorge pro Monat überwiesen wird. Aber Achtung: Alle Beträge sind brutto. Steuern und Sozialabgaben sowie die Krankenversicherung müssen noch von der Rente abgezogen werden. Du kannst mit ca. 20 % an Abzügen rechnen. Ich gehe hier davon aus, dass du jetzt um die 2.500 Euro brutto pro Monat verdienst und 40 Jahre gearbeitet hast inklusive der Elternzeit. Das setzt voraus, dass du pro Kind nicht mehr als 3 Jahre Elternzeit genommen hast.


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Die Rente der deutschen Rentenversicherung, des Vorsorgewerks bzw. der Rürup-Rente für Selbstständige

Wenn du bei der deutschen Rentenversicherung einzahlst, erhältst du jedes Jahr einen Rentenbescheid. Hier siehst du einen Betrag neben: „Höhe der zukünftigen Regelaltersrente“. Hier steht, wie hoch deine monatliche Rente bist zu deinem Ableben ist, wenn du bist zum Renteneintrittsalter soviel einzahlst wie im Durchschnitt der letzten 5 Jahre.

Interessant sind auch die Beträge bei einer jährlichen Anpassung von 1% oder 2%. Die monatliche Rente steigt Jahr für Jahr, denn sie wird berechnet auf Basis des Durchschnittseinkommen aller Deutschen. Auch dieses wird steigen. Doch selbst die deutsche Rentenversicherung kann nicht sagen, wie hoch deine Beträge in ferner Zukunft sein werden, darum gibt sie dir zwei Wahlmöglichkeiten. Möchtest du auf Nummer sicher gehen, nimm den Betrag dazwischen an, also 1,5 %.

Erhältst du eine monatliche Regelaltersrente von brutto 1.016,30 Euro, sind das bei 1,5 % jährlichen Anpassungssatz schon 1.230 Euro. Abzüglich der Steuern macht das Netto 984 Euro jeden Monat. Das ist schon an der Grenze zur Altersarmut.

Eine zusätzliche, staatlich geförderte Altersvorsorge

Falls dein Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge für dich getroffen hat, dann wird es Zeit nachzusehen, wie hoch die Beträge voraussichtlich pro Monat in der Rente sein werden. Vielleicht hast du auch eine private und staatlich geförderte Altersvorsorge wie Riester, Rürup oder eine kapital gebundene Lebensversicherung abgeschlossen. Sieh in den Verträgen nach, wie hoch die garantierte monatliche Rente bei diesen Vorsorgeprodukten sein wird. Achtung, auch dieses Geld ist brutto, du musst also noch mindestens 20 % abziehen, um auf den verfügbaren Betrag zu kommen. Addiere den Betrag zur gesetzlichen Rente.

Wie du die Rentenlücke berechnen kannst

Am besten ist, du führst ein Haushaltsbuch und kennst deine monatlichen Ausgaben. Nehmen wir an, du benötigst pro Monat rund 1.600 Euro, um über die Runden zu kommen. Dann fehlen dir:

+ 984 Euro staatliche Rente
+ 300 Euro staatlich geförderte Altersvorsorge
– 1.600 Euro Ausgaben
=
– 316 Euro Rentenlücke.

Doch nicht so schnell! Vergiss nicht den Kaufkraftverlust. Die 1.600 Euro pro Monat, die du jetzt brauchst, sind in 30 Jahren viel weniger Wert. Hier ein Screenshot von zinseszinsen.de, der dir den Kaufkraftverlust über so eine lange Zeit verdeutlicht.

Inflationsrechner

Oben tippst du den Betrag ein, den du pro Monat brauchst. In unserem Fall 1.600 Euro. Mit einer prognostizierten Inflationsrate von 2 % bist du wohl ganz gut dabei. Der Zeitraum sind die Jahre, die du noch bis zur Rente vor dir hast. Eine Frau, die 37 Jahre alt ist, hat voraussichtlich noch 30 Jahre bis zur Rente.

Die 1.600 Euro heute sind in 30 Jahren nur noch 883 Euro wert. Du brauchst als mindestens 2.898 Euro in 30 Jahren für einen ähnlich hohen Lebensstandard wie heute. Deine Rentenlücke ist also:

+ 984 Euro staatliche Rente
+ 300 Euro staatlich geförderte Altersvorsorge
– 2.898 Euro Ausgaben
=
– 1.614 Euro Rentenlücke pro Monat

Der Kaufkraftverlust haut ordentlich rein. Anders kann ich es wohl nicht ausdrücken. Die 1.614 Euro pro Monat sind deine wahre Rentenlücke inklusive Inflation. Mal angenommen, du benötigst 20 Jahre lang – bis zu deinem Ableben im Alter von 87 Jahren – jeden Monat 1.614 Euro zusätzlich, sind das gesamt 387.360 Euro, die du bis zur Rente gespart haben solltest.

Pff.

Wie viel soll man sparen, um die Rentenlücke zu schließen?

Der Zinseszinseffekt ist auf deiner Seite. Je früher du anfängst mit dem Sparen, desto besser. Mal angenommen, du fängst mit 37 Jahren an, finanziell für dein Alter vorzusorgen: Wie viel müsstest du dann pro Monat sparen, um deine Rentenlücke zu schließen?

Sparst du mit 2 % p.a. Zinsen pro Jahr auf ein Festgeldkonto, müsstest du 719 Euro pro Monat dafür beiseitelegen. 719 Euro pro Monat? Wie soll das gehen, wirst du dich jetzt wohl fragen. Tatsächlich ist das fast schon eine Mammutaufgabe, wenn du jetzt ca. 2.000 Euro pro Monat netto verdienst.

Daher ist der zweite, wichtige Baustein für deine Altersvorsorge eine renditestarke Anlage. Am sinnvollsten ist ein Investment an der Börse mit kostengünstigen ETFs. Da kannst du im Durchschnitt mit 7 % Rendite pro Jahr rechnen über mindestens 15 Jahre, besser noch 20 oder 30 Jahre. Wichtig hier ist zu wissen, dass das kein kontinuierliches Aufwärts sein wird. In den nächsten Jahrzehnten wird es bestimmt Börsenkrisen geben. Dein Gespartes könnte sich sogar für kurze Zeit halbieren! Doch wenn du nicht verkaufst, ist dieses Durchschnittswachstum realistisch. Das zeigt die Vergangenheit. Auch ich sorge so ausschließlich für mein Alter vor.

Investierst du dein Geld breit gestreut in einen ETF, müsstest du 379 Euro pro Monat zur Seite legen. Wenn du jetzt ca. 2.000 Euro pro Monat verdienst, wären das etwas mehr als 19 % deines Gehalts.

Tatsächlich besagt eine Daumenregel, dass du 15 % deines Nettogehalts beiseitelegen solltest für die Altersvorsorge, wenn du 30 Jahre alt bist. Dann hast du später mit der Rentenversicherung 80 % deines vorherigen Nettogehalts. Doch nur wenn du in ETFs investierst.

Vorsorgerechner

Du kannst beim Vorsorgerechner auf zinsen-berechnen.de etwas Herumspielen mit den Werten. Dabei wirst du schnell merken, dass eine lange Anlagedauer und eine renditestarke Geldanlage wie ein ETF praktisch alles bestimmen. Eine Wartezeit habe ich hier nicht definiert. Der Zinssatz für die Ansparphase ist mit 7 % bei einem ETF realistisch, für die Entnahmephase habe ich eine weniger volatile Anlage angenommen mit 2 % Zinsen pro Jahr.

Kann ein Erbe helfen die Rentenlücke zu schließen?

Das Reden übers Geld ist nie verkehrt. Selbst, wenn dir das Thema zu Beginn etwas unangenehm erscheint. Vielleicht möchtest du im Rahmen deiner Altersvorsorge auch ganz offen mit deinen Eltern sprechen, ob ein Erbe angedacht ist später. Natürlich kannst du diesen Betrag auch mit berücksichtigen. Doch Vorsicht: Wohl auch zurecht möchten die Eltern ihr Erspartes später selbst ausgeben. Manchmal durchkreuzt auch eine teure Pflege die Erbschaft. Daher ist ein alleiniger Verlass auf das Erbe nicht eine kluge Entscheidung.

Das Eigenheim um die Rentenlücke zu schließen

Das Eigenheim ist auch eine gute Alternative für die Altersvorsorge und den Vermögensaufbau. Doch nur, wenn der Preis angemessen ist und du häufige Fehler bei der Finanzierung des Eigenheims vermeidest. Jedenfalls möchte deine Bank regelmäßig einen bestimmen Betrag jeden Monat erhalten. Das ist ein Zwangssparvertrag, der ohne Frage diszipliniert. Zumeist besitzen Eigenheimbesitzer über mehr Vermögen im Alter, wenn sie zu einem angemessenen Preis gekauft haben. Vielleicht liegt das größere Vermögen auch daran, dass es noch keinen Vergleich gibt zwischen Eigenheimbesitzer und ETF-Sparer. Ich gehe davon aus, dass das Ergebnis dann nicht so eindeutig wäre.

Das Einzahlen in einen Kredit und das Sparen in einen ETF lassen sich für die meisten nicht gleichzeitig umsetzen. Prinzipiell ist die Entscheidung für ein Eigenheim eine Entscheidung gegen die Börse, zumindest während der Kredit zurückbezahlt wird.

Die richtige Motivation um die Rentenlücke zu schließen

Vielleicht wirst du jetzt etwas verzweifeln bei dem Gedanken, 15 % oder gar 19 % deines Nettogehalts zu sparen. All das, um später nicht in Altersarmut zu rutschen? So viel Verzicht scheint unrealistisch. Dann spare weniger! Lass dir das Sparen zur lieben Angewohnheit werden. Vielleicht klappt es dann langfristig doch. Wenn nicht, dann hast du zumindest etwas zur Seite legen können.

Bei Herausforderungen, die mir am Anfang zu groß erscheinen, mache ich mir ganz zu Beginn bewusst, warum ich das alles machen möchte. Mein persönlicher Grund sind meine Kinder. Ich will ihnen zeigen, dass Mütter und Frauen finanziell unabhängig sein und für ihr Leben selbst vorsorgen können. Wenn du dir dein „Warum“ vor Augen hältst, ist es vielleicht auch für dich einfacher.

Du weißt, wann du dein „Warum“ gefunden hast, wenn es dich berührt. Wenn du nun dein Ziel wie die Altersvorsorge mit diesem „Warum“ verknüpfst, schaffst du eher, es zu erreichen.

Fazit:

Wenn du deine Rentenlücke schließen willst, hilft dir die einfache Daumenregel: Lege 15 % deines Nettoeinkommens zur Seite, wenn du 30 Jahre alt bist und investiere es in ETFs. Dann hast du wahrscheinlich mit der gesetzlichen Rentenversicherung später 80 % deines Nettogehalts von jetzt. Falls du etwas jünger bist, kann es auch weniger sein. Denn der Zinseszinseffekt arbeitet für dich bei einer ausreichend langen Anlagedauer. Doch nur, wenn du dein Geld renditestark und kostengünstig anlegst in ETFs. Bist du breit gestreut investiert, wird zwar auch dein Depot sinken bei einer Wirtschaftskrise. Doch über eine ausreichend lange Anlagedauer sind durchaus 7 % Rendite (exklusive Inflation) pro Jahr möglich. Auch wenn 15 % Sparquote vom Gehalt dir jetzt sehr viel erscheinen, dann versuche es mal mit 10 %. Vielleicht wird der Konsumverzicht dir mit der Zeit leichter fallen. Zumindest hast du bis dahin etwas beiseitelegen können.


Legst du schon jetzt Geld fürs Alter zu Seite? Über dein Kommentar freue ich mich sehr. Du kannst auch der Facebook-Gruppe für neue Mütter beitreten, für Tipps von anderen Frauen.

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