Zwillinge als Zins und Zinseszins

Wie erklärt man Kindern den Zins und Zinseszins?

Marie und Marianne, oder die einfache Erklärung, wie mächtig Zins und Zinseszins sind.

In einem Beitrag habe ich auch eine Geschichte zum Vorlesen für eure Kinder verfasst. Sie soll zeigen, wie bereichernd es ist, ein Unternehmen zu gründen oder an einem Teil zu haben. Kennt ihr die Geschichte? Wenn nicht, dann einfach mal reinschauen: Der Rabe und das Eichhörnchen.

Um die Welt der Finanzen zu verstehen, müssen wir das mächtigste Werkzeug kennen, um Vermögen aufzubauen: die Zinseszinsen. Die lineare Fortschreibung eines Betrags erfassen wir leicht, ein exponentieller Zuwachs wie bei den Zinsenszinsen ist selbst für Erwachsene kaum zu begreifen. Wie sollen wir das dann unseren Kindern erklären? Hier soll die Geschichte von Marie und Marianne helfen, die für Zins und Zinseszins stehen:

Marie und Marianne treffen auf den Zauberer

Eines schönen Tages spielen Marie und Marianne miteinander im Wald verstecken. Die beiden Schwestern sind Zwillinge und acht Jahre alt. Sie lieben es, dort gemeinsam zu spielen. Besonders Marianne ist sehr geschickt im Verstecken. Oft findet Marie ihre Schwester lange Zeit nicht. Einmal hat Marie sogar bis zum Einbruch der Dunkelheit nach Marianne gesucht. Da hat sie es beinahe mit der Angst zu tun bekommen. Zum Glück hat sie Marianne noch gefunden hinter dem Brombeerbusch, bevor es zu spät wurde. Bis heute glaubt Marie, dass sie Marianne nur gefunden hat, weil es ihr schon zu langweilig im Versteck war. Irgendwie scheint Marianne immer etwas voraus zu sein.

Heute findet Marie beim Spielen etwas ganz Außergewöhnliches. Sie ruft:
„Marianne, komm doch mal her. Schau, hier liegt ein Zauberstab!“
„Tatsächlich.“ staunt Marianne, „So etwas habe ich ja noch nie gesehen.“

Marianne untersucht den den Zauberstab aus Holz und sagt:
„Steht leider nicht drauf, wem er gehört.“

„Sieh mal, da vorne ist ein Zauberer!“ flüstert Marie und deutet nach vorne, „wahrscheinlich gehört er ihm.“ Marianne meint: „Wir fragen ihn einfach!“

Und wirklich, der Zauberstab gehört dem Zauberer. Der hat schon ganz verzweifelt danach gesucht. Jetzt freut er sich sehr über die beiden Mädchen, die so ehrlich waren, ihm den Zauberstab zurück zu geben.

Er spricht: „Der Zauberstab ist sehr, sehr mächtig. Zur Belohnung, weil ihr so ehrlich wart, mache ich euch ein ganz besonderes Geschenk. Ich verdopple euer gespartes Geld jedes Jahr. Zehn Jahre lang. Bis ihr 18 seid, von zu Hause auszieht und auf eigenen Beinen steht.“

Darüber freuten sich Marie und Marianne sehr. Beide hatten schon je 1.000 Euro gespart von den vielen Geschenken der Verwandten zum Geburtstag und zu Weihnachten. Das ist sehr viel Geld.

Marie rechnete: „Im ersten Jahr verdoppelt der Zauberer mein Geld. Dann habe ich 2.000 Euro. Im Laufe des Jahres kann ich die 1.000 Euro des Zauberers für lauter schöne Dinge ausgeben. Am Ende habe ich noch immer meine 1.000 Euro vom Angang des Jahres. Der Zauberer besucht uns dann wieder und verdoppelt mein Erspartes – jedes Jahr, 10 Jahre lang. So kann ich auch jedes Jahr 1.000 Euro ausgeben und trotzdem bleibt mir mein Erspartes von 1.000 Euro. Wie schön!“

Marianne rechnete anders. Sie dachte: „Wenn der Zauberer jedes Jahr vorbei kommt, dann zaubert er im ersten Jahr aus 1.000 Euro ganz einfach 2.000 Euro. Im zweiten Jahr zaubert er aus 2.000 Euro schnell 4.000 Euro. Im dritten Jahr zaubert er aus 4.000 Euro 8.000 Euro und so fort. Ich halte das lieber so und gebe in den 10 Jahren nichts aus.“

Nach 10 Jahren besuchte der Zauberer die beiden Mädchen zum letzten Mal. Jedes Mädchen hat mit dem Geld so gewirtschaftet, wie am Anfang beschlossen.

Marie sagt:“Vielen Dank lieber Zauberer. Ich konnte mir jedes Jahr ein schönes Geschenk kaufen. Einmal ein Rad, einmal ein Smartphone, einmal ein Spiel und so fort. Es waren gute 10 Jahre. Die 10.000 Euro – im jeden Jahr 1.000 Euro – waren ein toller Finderlohn für den Zauberstab. Jetzt suche ich mir eine Arbeit, damit ich mir in Zukunft auch noch schöne Dinge leisten kann.“

Marianne sagt aber: „Vielen Dank, lieber Zauberer. Ich habe 10 Jahre lang gespart. Begonnen habe ich mit 1.000 Euro wie Marie. Jedes Jahr hast du den Betrag verdoppelt. Sieh, wie sich mein Geld entwickelt hat:

Jahr 1: 2.000 Euro
Jahr 2: 4.000 Euro
Jahr 3: 8.000 Euro
Jahr 4: 16.000 Euro
Jahr 5: 32.000 Euro
Jahr 6: 64.000 Euro
Jahr 7: 128.000 Euro
Jahr 8: 253.000 Euro
Jahr 9: 505.000 Euro
Jahr 10: 1.012.000 Euro

Ich bin ja jetzt 18 und Millionärin. Das erste, was ich machen werde, ist die Welt bereisen. Dann gründe ich ein Unternehmen, das Kinder findet, wenn sie verschwunden sind. Wenn Marie möchte, kann sie mitmachen, sie ist eine großartige Sucherin. Und dann werde ich noch Feuerwehrfrau. Ich liebe das Blaulicht! Um Geld muss ich mich mein Leben lang nicht mehr sorgen. Vielen Dank für die 1.011.000 Euro!

So ein großer Unterschied zwischen dem Finderlohn von Marie und Marianne. Hättest du das gedacht? Was würdest du machen mit dem vielen Geld? Was ist dein Traum?


Wir sollten auch mal mit unseren Kindern sprechen, was ihr Traum ist. Was sie mit dem Geld anfangen würden. Eine Million geht ja weit über die Vorstellungskraft hinaus. So wird es vielleicht greifbarer.

Ich war ganz schön überrascht, als ich gehört habe, was mein vierjähriger Sohn sich kaufen würde mit dem Geld: Eine Paw Patrol Station. Vor Monaten hat er dazu eine Werbung gesehen. Die ist ihm nicht mehr aus dem Sinn gegangen. So lange merkt er sich das?

Was wünschen sich eure Kinder?

Verbindlichkeit oder Vermögenswert? Hier eine Geschichte, die Kindern den Unterschied erklärt.

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