Motherhoodpenalty

Mutter zu sein kostet ein Vermögen: Was du dagegen tun kannst

In einer neuen Studie von Bertelsmann wird nachgerechnet, wie hoch die Kosten vor allem für Frauen sind, wenn sie Kinder bekommen. Denn zumeist sind sie es, die länger Elternzeit beantragen und in Teilzeit arbeiten. Besonders eindrücklich sind zwei Erkenntnisse:

  1. Mütter verdienen um 720.000 Euro brutto weniger über ihr Erwerbsleben hinweg als kinderlose Frauen. Im Durchschnitt verdienen Mütter mit einem oder mehr Kindern rund 580.00 Euro brutto, kinderlose Frauen rund 1,3 Millionen Euro in Westdeutschland.

  2. Dieser Effekt ist bei Vätern nicht nachweisbar. Im Gegenteil: Väter verdienen sogar etwas mehr im Vergleich zu kinderlosen Männern. Im Durchschnitt verdienen sie über 1,5 Millionen Euro und somit fast das dreifache von Müttern in Westdeutschland.

Mütter sehen sich also nicht nur abgehängt von den Einkommen von Männern, sondern auch zunehmend von kinderlosen Frauen: Die Studie zeigt, dass der „Gender Pay Gap“ von 13 % zwischen Männern und kinderlosen Frauen deutlich ist. In den letzten Jahren wurde der jedoch aufgrund der besseren Ausbildung von Frauen immer kleiner. Das ist eine positive Entwicklung!

Die „Motherhood lifetime panelty“ (lebenslange Kosten für die Mutterschaft), also der Einkommensunterschied zwischen Müttern und kinderlosen Frauen, wird jedoch größer und größer.

Es lässt sich also eindeutig sagen, dass sich durch eine alleinige Betrachtung des „Gender Pay Gaps“ die Einkommensunterschiede von Männern und Frauen nicht erklären lassen. Kinder sind im Hinblick auf die Einkommenslücke der entscheidende Faktor: Daher ist es durchaus sinnvoll, die wahren Kosten der Mutterschaft zu berücksichtigen, also die „Motherhood lifetime panelty“.

Der Ausdruck „Penalty“ war mir beim ersten Mal hören fremd. Penalty habe ich immer in Verbindung gebracht mit „Strafe“. Und eine Strafe ist die Mutterschaft keineswegs, sondern eine Bereicherung. In dem Kontext muss man den Begriff wohl als „Preis“ oder „Kosten“ sehen.

Warum ist es ein Problem, wenn vor allem Mütter in Teilzeit arbeiten?

Jeder, der Kinder hat oder schon Mal auf welche aufgepasst hat, weiß: Es ist anstrengend, in Vollzeit zu arbeiten und gleichzeitig die Kinder zu erziehen. Da ist es sinnvoll, wenn zumindest einer und noch besser beide in Teilzeit arbeiten können. Aber warum ist es ein Problem, wenn vor allem Mütter in Teilzeit arbeiten und nicht die Väter?

Sollten sich die Eltern scheiden, müssen vor allem Frauen für ihren Lebensunterhalt und die Rente sorgen, gleichzeitig zu den Kindern. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe ist es nicht, wenn einer bei einer Trennung viel mehr zu verlieren hat.

Für die Kinder ist es jedenfalls vorteilhaft, wenn sich Väter und Mütter gleichwertig um sie kümmern. Studien zeigen, dass sie zumeist neugieriger und selbstsicherer sind. Klar, sie können sich auch auf beide Elternteile verlassen.

Es hat auch Wirkung auf unsere Gesellschaft: Was wird in den Chefetagen entschieden, wenn die Abteilungsleiterin gerade mit ihrer Tochter am Nachmittag bastelt? Welche Gesetze werden beschlossen, wenn die Abgeordnete gerade ihren Sohn von der Kita abholt?

Eine mögliche Lösung

Für uns beide war es schwer vorstellbar, in Vollzeit zu arbeiten und die Kinder gleichzeitig zu erziehen. Zumal die Großeltern auch weit weg wohnen. Wir hatten den Luxus, für eine begrenzte Zeit auf ein Gehalt zu verzichten. Beim ersten Kind nahm ich länger Elternzeit, beim zweiten mein Mann. Für einige Jahre haben wir auch gemeinsam in Teilzeit gearbeitet. Dieses Modell hat für uns gut funktioniert.

Vor allem haben wir erfahren, dass viele Glaubenssätze, die wir verinnerlicht haben, nicht mehr zeitgemäß sind. Folgendes hat sich vielmehr als zutreffend herausgestellt:

Väter möchten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen

In der Studie von Bertelsmann wird gesagt, dass Männer noch immer als Ernährer gesehen werden, Frauen sind Zuverdiener. Doch es fällt auf: Heute möchten immer mehr Männer Zeit mit ihren Kindern verbringen. Sie wollen es anders machen als ihrer Väter.

Stillen, im Sinne von beruhigen und trösten, kann auch Papa ab den ersten Lebenswochen. Es ist schön zu sehen, wie sich das Bild des Mannes ändert über die Zeit. Das ist gut auf der Straße zu beobachten. Mein Schwiegervater war schon Stadtgespräch, weil er mal mit dem Kinderwagen unterwegs war. Mein Mann ist heute nicht mehr der einzige mit Kindertrage und Fläschchen. Das ist ein großes Glück für unsere Kinder.

Teilzeit ist kein Karrierekiller

Mit diversen Teams, also mit Teams die aus Frauen, Männer, Müttern, Vätern und Minderheiten bestehen, erreicht ein Unternehmen im Durchschnitt 19 % mehr Umsatz. Das hat eine Studie der Boston Consulting Group auch für Deutschland, Österreich und die Schweiz bewiesen. Mehr und mehr Unternehmen erkennen diesen Wettbewerbsvorteil und bieten Home-Office, Teilzeit oder Job Sharing an, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Falls deine Firma das noch nicht bietet, lohnt es sich danach zu fragen.

Die Betreuung im Kindergarten ist sehr gut

Auch ich kann mich gut daran erinnern, dass unser Sohn an manchen Tagen nicht in die Kita wollte. Das Weinen ist herzzerreißend. Dann frage ich mich, ob meine Arbeit wirklich so wichtig ist, dass mein Sohn so dafür so leiden muss.

In dem Moment schickt mir die Erzieherin Fotos von einem zart lächelnden Jungen, der sich auf das Spiel mit anderen Kindern einlässt.

Bestimmt gilt es noch einiges zu verbessern an dem Betreuungsangebot in Deutschland. Doch es ist nicht richtig, dass Kinder besser den ganzen Tag lang bei Mutter oder Vater wären.

Die Betreuer in den Kitas und Krippen, die ich bis jetzt kennengelernt habe, sind überaus engagiert und lieben den Austausch mit den Kleinen. Mein Sohn lernte zum Beispiel das Schneiden mit einer Schere in der Kita. Leider bin ich nicht so eine der Mutter, die gerne bastelt. Lieber laufe ich mit ihm draußen herum. Doch das ist auch in Ordnung: Die Kita gleicht das aus.

Der Kauf einer Immobilie ist nicht immer die beste Altersvorsorge

Viele Familien geben an, dass der hohe Immobilienkredit den besser verdienenden Partner nahezu zwingt, mehr zu arbeiten. Das hat zur Folge, dass sich der andere um die Kinder und den Haushalt meist allein kümmert. Die Kaufpreise vor allem in den Großstädten sind explodiert und immer weniger Normalverdiener können sich eine Immobilie zur Selbstnutzung dort leisten. Doch eine kluge Altersvorsorge ist nicht nur mit einer Immobilie möglich! Vielmehr ist ein Investment an der Börse in einen kostengünstigen ETF zwar mit Risiken verbunden, doch über eine Laufzeit von Jahrzehnten die zumeist bessere Wahl. Vorausgesetzt, du sparst regelmäßig und investierst in einen günstigen Indexfonds.

Kaufen ist nicht immer besser als mieten. Das Buch von Gerd Kommer gilt dafür als leicht verständliches Standardwerk* vor jedem Immobilienkauf.

Sparen und Investieren klappt mit kleinem Budget

Viele meinen, dass Sparen nicht möglich ist. Selbst wenn etwas zur Seite gelegt werden kann, wissen viele nicht, dass Investieren in einen ETF sogar mit kleinen Beträgen sinnvoll sein kann. Mit beispielsweise 200 Euro, die sich beim Einkaufen im Supermarkt sparen lassen jeden Monat, wird über 30 Jahre dank des Zinseszinseffekts über 160.000 Euro mit einem Investment in einen breit diversifizierten ETF bei 5 % realer Rendite p.a. Das ist mit Risiken verbunden und du brauchst bestimmt etwas Zeit, um dich über das Thema ausreichend zu informieren, bevor du startest. Dafür gibt es zahlreiche Portale im Internet. Zu Beginn hat mir beispielsweise die Academy von www.justetf.com geholfen. Auch hier gibt es ein sehr empfehlenswertes Buch von Gerd Kommer: „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen„* oder für Anfänger: „Souverän investieren für Einsteiger: Wie sie mit ETFs ein Vermögen bilden„*.

Fazit:

Der Einkommensunterschied zwischen kinderlosen Frauen und Müttern erhöht sich deutlich. Sobald das erste Kind da ist, gehen zumeist Frauen in Teilzeit. Das wirkt sich massiv auf ihr Einkommen und auch die Rente später aus. Es ist möglich, die Annahmen, die zu so einer traditionellen Aufteilung von Familie und Beruf führen, in Frage zu stellen und zu überlegen: Was trifft davon wirklich zu? Damit ein partnerschaftliches Aufteilen der Aufgaben wieder möglich wird.

Was sagst du zu der Studie von Bertelsmann? Woran liegt es deiner Meinung nach, dass die „Motherhood lifetime panelty“ noch immer so hoch ist in Westdeutschland?

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