Motherhoodpenalty

Mutter zu sein kostet ein Vermögen: Was Eltern dagegen tun können

Den Artikel heute schreibe ich von meinem Home-Office. Mein Mann ist gerade unterwegs mit unserer kleinen Tochter in der Stadt. Er ist in Elternzeit, schon seit über eineinhalb Jahren, während ich in Vollzeit arbeite. Wir haben den Luxus, für eine begrenzte Zeitspanne auf ein Gehalt verzichten zu können. Deswegen teilten wir uns die Elternzeit bei den Kindern auf: Beim ersten Kind habe ich länger Elternzeit genommen, beim zweiten mein Mann. Mir war klar, dass wir mit unserem Modell die Ausnahme sind. Kaum ein Paar aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis macht das so. Doch es hat mich überrascht, wie alleine wir tatsächlich mit unserer Entscheidung sind. Das steht in der neuen Bertelsmann Studie von Juni 2020.

Darin wird vorgerechnet, wie hoch die Kosten vor allem für Frauen sind, wenn sie Kinder bekommen. Denn zumeist sind sie es, die länger Elternzeit beantragen und in Teilzeit arbeiten. Besonders eindrücklich sind zwei Erkenntnisse:

  1. Mütter mit drei Kindern verdienen um zwei Drittel weniger über ihr Erwerbsleben hinweg als kinderlose Frauen. Im Durchschnitt verdienen Mütter mit einem oder mehr Kindern rund 580.00 Euro, kinderlose Frauen rund 1,3 Millionen Euro in Westdeutschland.

  2. Dieser Effekt ist bei Vätern nicht nachweisbar. Im Gegenteil: Väter verdienen sogar etwas mehr im Vergleich zu kinderlosen Männern. Im Durchschnitt verdienen sie über 1,5 Millionen Euro und somit ungefähr das dreifache von Müttern in Westdeutschland.

Mütter sehen sich also nicht nur abgehängt von den Einkommen von Männern, sondern auch zunehmend von kinderlosen Frauen: Die Studie zeigt, dass der „Gender Pay Gap“ von 13 % zwischen Männern und kinderlosen Frauen deutlich ist. In den letzten Jahren wurde der jedoch aufgrund der besseren Ausbildung von Frauen immer kleiner. Das ist eine positive Entwicklung!

Die „Motherhood lifetime panelty“ (lebenslange Kosten für die Mutterschaft), also der Einkommensunterschied zwischen Müttern und kinderlosen Frauen, wird jedoch größer und größer.

Vor allem auch wegen Corona wird die Lücke voraussichtlich bleiben oder sich sogar vertiefen. Denn gerade jetzt übernehmen Mütter öfter wichtige, doch unbezahlte Tätigkeiten, wie den Haushalt und die Kindererziehung.

Es lässt sich also eindeutig sagen, dass sich durch eine alleinige Betrachtung des „Gender Pay Gaps“ die Einkommensunterschiede von Männern und Frauen nicht erklären lassen. Kinder sind im Hinblick auf die Einkommenslücke der entscheidende Faktor: Daher ist es durchaus sinnvoll, die wahren Kosten der Mutterschaft zu berücksichtigen, also die „Motherhood lifetime panelty“.

Der Ausdruck „Penalty“ war mir beim ersten Mal hören fremd. Penalty habe ich immer in Verbindung gebracht mit „Strafe“. Und eine Strafe ist die Mutterschaft keineswegs, sondern eine Bereicherung. In dem Kontext muss man den Begriff wohl als „Preis“ oder „Kosten“ sehen.

Wie können wir die Einkommenseinbußen für Frauen ab dem ersten Kind vermeiden? Vielleicht hilft es uns zu überlegen, welche Glaubenssätze wir alle, Mütter und Väter, verinnerlicht haben, die dazu geführt haben. Sind diese wirklich alle wahr?

Das Familieneinkommen gibt es nicht

Viele meinen, dass die Einkommen von Frauen und Männern mit Kindern nicht getrennt betrachtet werden sollten. Falls beide verheiratet sind, wird das Familieneinkommen auf ein gemeinsames Konto überwiesen. Bei einer Scheidung, sofern kein Ehevertrag geschlossen wurde, gibt es Dank der Zugewinngemeinschaft eine faire Regelung.

Das ist auch erstmals so richtig. Zu bedenken ist dabei nur, dass es viele Alleinerziehende gibt und nicht jedes Paar verheiratet ist. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass jede dritte Ehe geschieden wird. Der besser verdienende Partner ist nach der Reform von 2008 nur noch bis zum dritten Lebensjahr des Kindes für den Unterhalt des anderen verantwortlich. Für ihre Kinder sind der Vater oder die Mutter natürlich noch unterhaltspflichtig bis sie auf eigenen Beinen stehen.

Ein gesichertes Einkommen für die ganze Familie bis in die Rente gibt es also nicht.

Männer sind Partner und keine Ernährer

In der Studie von Bertelsmann wird gesagt, dass Männer noch immer als Ernährer gesehen werden. Oft wird berichtet von Frauen, die sich besonders angezogen fühlen von Männern, die erfolgreich im Beruf sind. Das mag ein Klischee sein. Es sollte diese Frauen jedoch nach der Heirat nicht überraschen, wenn für ihre Männer der Beruf weiterhin eine hohe Priorität hat. Schließlich ist das ein Muster, dass in Vergangenheit für sie sehr gut funktioniert hat.

Vielleicht könnten wir Männer von Anfang an mehr als Lebenspartner sehen. Das würde bestimmt auch ihnen eher gerecht. Der Druck, eine steile Karriere verfolgen zu müssen, nimmt dadurch ab.

Teilzeit ist kein Karrierekiller

Mit diversen Teams, also mit Teams die aus Frauen, Männer, Müttern, Vätern und Minderheiten bestehen, erreicht ein Unternehmen im Durchschnitt 19 % mehr Umsatz. Das hat eine Studie der Boston Consulting Group auch für Deutschland, Österreich und die Schweiz bewiesen. Mehr und mehr Unternehmen erkennen diesen Wettbewerbsvorteil und bieten Home-Office, Teilzeit oder Job Sharing an, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Falls deine Firma das noch nicht bietet, lohnt es sich danach zu fragen.

Kinder gehen gerne in die Kita

Auch ich kann mich gut daran erinnern, dass unser Sohn an manchen Tagen nicht in die Kita wollte. Das Weinen ist herzzerreißend. Dann frage ich mich, ob meine Arbeit wirklich so wichtig ist, dass mein Sohn so dafür so leiden muss.

In dem Moment schickt mir die Erzieherin Fotos von einem zart lächelnden Jungen, der sich auf das Spiel mit anderen Kindern einlässt.

Bestimmt gilt es noch einiges zu verbessern an dem Betreuungsangebot in Deutschland. Doch es ist nicht richtig, dass Kinder besser den ganzen Tag lang bei Mutter oder Vater wären.

Die Betreuer in den Kitas und Krippen, die ich bis jetzt kennengelernt habe, sind überaus engagiert und lieben den Austausch mit den Kleinen. Mein Sohn lernte zum Beispiel das Schneiden mit einer Schere in der Kita. Leider bin ich nicht so eine der Mutter, die gerne bastelt. Lieber laufe ich mit ihm draußen herum. Doch das ist auch in Ordnung: Die Kita gleicht das aus.

Nicht immer ist der Kauf einer Immobilie die beste Altersvorsorge

Viele Familien geben an, dass der hohe Immobilienkredit den besser verdienenden Partner nahezu zwingt, mehr zu arbeiten. Das hat zur Folge, dass sich der andere um die Kinder und den Haushalt meist allein kümmert. Die Kaufpreise vor allem in den Großstädten sind explodiert und immer weniger Normalverdiener können sich eine Immobilie zur Selbstnutzung leisten. Doch eine kluge Altersvorsorge ist nicht nur mit einer Immobilie möglich! Vielmehr ist ein Investment an der Börse in einen kostengünstigen ETF zwar mit Risiken verbunden, doch über eine Laufzeit von Jahrzehnten die zumeist bessere Wahl. Vorausgesetzt, ihr spart regelmäßig und investiert in einen günstigen Indexfonds.

Kaufen ist nicht immer besser als mieten. Das Buch von Gerd Kommer gilt dafür als leicht verständliches Standardwerk* vor jedem Immobilienkauf.

Sparen und Investieren klappt auch mit kleinem Budget

Viele meinen, dass Sparen nicht möglich ist. Selbst wenn etwas zur Seite gelegt werden kann, wissen viele nicht, dass Investieren in einen ETF sogar mit kleinen Beträgen sinnvoll sein kann. Mit beispielsweise 200 Euro, die sich beim Einkaufen im Supermarkt sparen lassen jeden Monat, wird über 30 Jahre dank des Zinseszinseffekts über 160.000 Euro mit einem Investment in einen breit diversifizierten ETF bei 5 % realer Rendite p.a. Das ist mit Risiken verbunden und du brauchst bestimmt etwas Zeit, um dich über das Thema ausreichend zu informieren, bevor du startest. Dafür gibt es zahlreiche Portale im Internet. Zu Beginn hat mir beispielsweise die Academy von www.justetf.com geholfen. Auch hier gibt es ein sehr empfehlenswertes Buch von Gerd Kommer: „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen“ oder für Anfänger: „Souverän investieren für Einsteiger: Wie sie mit ETFs ein Vermögen bilden„.

Papa kann auch stillen

Stillen, im Sinne von beruhigen und trösten, kann auch Papa ab den ersten Lebenswochen. Es ist schön zu sehen, wie sich das Bild des Mannes ändert über die Zeit. Das ist gut auf der Straße zu beobachten. Mein Schwiegervater war schon Stadtgespräch, weil er mal mit dem Kinderwagen unterwegs war. Mein Mann ist heute nicht mehr der einzige mit Kindertrage und Fläschchen. Das ist ein großes Glück für unsere Kinder.

Fazit:

Der Einkommensunterschied zwischen kinderlosen Frauen und Müttern erhöht sich deutlich. Sobald das erste Kind da ist, gehen zumeist Frauen in Teilzeit. Das wirkt sich massiv auf ihr Einkommen und auch die Rente später aus. Es ist möglich, die Annahmen, die zu so einer traditionellen Aufteilung von Familie und Beruf führen, in Frage zu stellen und zu überlegen: Was trifft davon wirklich zu? Damit ein partnerschaftliches Aufteilen der Aufgaben wieder möglich wird.

Was sagst du zu der Studie von Bertelsmann? Woran liegt es deiner Meinung nach, dass die „Motherhood lifetime panelty“ noch immer so hoch ist in Westdeutschland?

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