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Getrennte Konten in der Ehe mit Kindern: Wie eine faire Lösung aussehen kann

Geld ist das Streitthema Nummer 1 bei Paaren.

Das Ergebnis dieser Forsa-Studie hat mich überrascht. Aber wenn ich darüber nachdenke, dann ist das durchaus schlüssig. Am Anfang der Beziehung hätte ich mir das zwar nicht vorstellen können. Wahrscheinlich war das bei dir auch so: Ich war verliebt und habe die schöne Zeit genossen. Geld war kein Thema, natürlich hatten wir getrennte Konten.

Doch wenn sich beide entschließen zu heiraten und Kinder zu bekommen, wird es Zeit über ein Kontenmodell für die Familie zu reden, das vielleicht besser passt. Vor allem, wenn bei Kindern einer deutlich weniger verdient als der andere ist ein Modell mit getrennten Konten kompliziert umzusetzen.

Doch einige Paare bestehen trotzdem auf getrennten Konten. Wenn ihr dazu gehört, gibt es Möglichkeiten, dies fair umzusetzen.

Zuerst eine faire Aufteilung der Kosten mit getrennten Konten finden

Falls du getrennte Konten mit deinem Partner führst, doch viele gemeinsame Ausgaben hast, dann diskutierst du wahrscheinlich über eine gerechte Aufteilung der gemeinsamen Kosten. Unter anderem sind häufige Streitpunkte wie folgt:

  • Ein Partner möchte oder kann deutlich mehr für die gemeinsame Wohnung, das Auto oder den Urlaub ausgeben. Der andere lebt ständig über seine Verhältnisse. Das Sparen für beispielsweise die eigene Altersvorsorge ist für denjenigen kaum denkbar.

  • Ein Partner steckt beruflich zurück für die Kinder, zumeist ist das die Mutter. Die Arbeit zu Hause mit den Kindern und dem Haushalt kann auch anstrengend sein, bezahlt wird sie jedenfalls nicht. Die Transferleistungen des Staates decken nicht die Kosten in der Elternzeit.

  • Ein Partner verzichtet auf ein höheres Einkommen, weil er oder sie vielleicht gerade in Ausbildung ist, mehr Freizeit möchte oder für eine Branche arbeitet, die nicht sehr lukrativ ist.

    Der andere Partner wählt bewusst eine stressige Arbeit, die jedoch ein hohes Einkommen verspricht oder hat viele Jahre studiert, um jetzt mehr zu verdienen.

Welche Aufteilung der Ausgaben ist in den Fällen fair?

Genau hälftig oder nach Einkommen? Schlussendlich muss jedes Paar seinen Weg finden. Doch vor allem mit Kindern und wenn einer beruflich kürzertritt, um diese zu versorgen, ist eine Aufteilung nach Einkommen sinnvoll.

Wenn das Thema Geld schon früh in der Beziehung angesprochen wird und jeder sein Verständnis von einer gerechten Aufteilung klargemacht hat, lassen sich viele Diskussionen vermeiden.


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Für wen die 50:50 Aufteilung eher sinnvoll ist

Die Aufteilung aller Kosten zur Hälfte ist eher sinnvoll bei Paaren, die keine Kinder haben. Während des Monats wird von jedem Partner ein Haushaltsbuch über die gemeinsamen Ausgaben geführt. Am Monatsende sehen beide, was unterm Strich an gemeinsamen Kosten angefallen ist. Der Partner, der weniger bezahlt an, überweist dem anderen die Differenz zur Hälfte der Gesamtsumme.

Für wen das Teilen nach Einkommen sinnvoll ist

Die zweite Variante ist eher üblich bei Ehepartnern oder in einer festen Partnerschaft, vor allem wenn sie gemeinsame Kinder haben. Hier alle Kosten aufgeteilt nach Einkommen. Dabei werden die Fixkosten wie in nach Einkommen geteilt und am Monatsanfang überwiesen. Von den variablen Kosten bezahlen die Partner am Monatsende den Anteil, der sich nach dem Gesamteinkommen richtet. Da diese Kosten jeden Monat unterschiedlich hoch sind, ist ein Dauerauftrag nicht möglich. Es gibt aber Tipps, die sich im Alltag gut integrieren lassen mit Apps oder einem Konto für die gemeinsamen Ausgaben (2 +1 Kontenmodell).

Zusätzlich sollte eine Möglichkeit gefunden werden den Einkommensverlust auszugleichen, den ein Partner hat, wenn er für die Kindererziehung zurücktritt. Siehe dazu weiter unten.

Wie wird die Kostenaufteilung umgesetzt?

Du siehst schon, bei getrennten Konten ist das disziplinierte Führen eines Haushaltsbuches und viel Rechnerei nötig, um eine faire Lösung mit getrennten Konten zu schaffen. Mittlerweile gibt es zahlreiche praktische Apps, die eine Aufteilung erleichtern.

Gemeinsames Ausgabenkonto einrichten (Das 2+1 Kontomodell)

Du könntest ein gemeinsames Ausgabenkonto für deinen Partner und dich einrichten, auf das jeder einen gewissen Betrag überweist. Dieser Betrag kann entweder gleich hoch sein oder sich nach dem Einkommen richten. Über dieses Konto bezahlen du und dein Partner fortan alle eure gemeinsamen Ausgaben. Es ist sinnvoll, dass die Beträge von euch beiden gerade ausreichen, die Kosten des Monats zu decken. Denn das Konto ist wirklich nur für Ausgaben gedacht. Der monatliche ETF-Sparplan für die Altersvorsorge wird weiterhin von den persönlichen Konten eingezogen. Sonst kommt ihr noch durcheinander.

Kosten Aufteilen mit Finanz-Apps

Mittlerweile gibt es viele Finanz-Apps am Markt, die helfen bei der Kostenaufteilung mit getrennten Konten. Hier eine Auswahl:

Splitwise

Hier könnt ihr all eure Ausgaben erfassen und am Ende des Monats schön übersichtlich aufteilen. Es ist möglich, eine andere Teilung einzustellen als 50:50. Somit ist auch 75:25 denkbar. Ihr könnt auch Freunde und Kinder einladen, um gewissen Kosten untereinander zu splitten. Die App ist kostenlos. Bequem kannst du per Paypal Beträge begleichen.

Tricount

Auch die App Tricount bietet eine ansprechende, intuitive Benutzeroberfläche. Die App ist kostenlos und verbunden mit Paypal. Du kannst auch einfach Fotos von deinen Rechnungen hinzufügen. Einfach den Link zu Tricount mit deinem Partner teilen, und der kann auch die seine Kosten hinzufügen.

Splid

Eine weitere App, die auch excel und pdf Export teilweise gegen Bezahlung bietet, ist Splid. Ansonsten ist die App kostenlos. Auch hier ist ein ungleiches Aufteilen der gemeinsamen Kosten denkbar.

Einkommenausgleich für Kindererziehung bei getrennten Konten

In einer Partnerschaft tritt meist zumindest einer beruflich zurück, um die Kinder zu erziehen. Sind die Partner nicht verheiratet, dann sollte hier ein Lohnausgleich stattfinden. Der Partner, der weiterhin Vollzeit arbeitet, könnte die Hälfte oder besser, den Anteil der seinem oder ihrem Einkommen entspricht, dem anderen zurück erstatten.

Ein Beispiel: Partner A verdient um 500 Euro weniger pro Monat, seit dem er in Teilzeit arbeitet und die Kinder erzieht. Partner B erstattet entweder die Hälfte bzw. 250 Euro pro Monat oder besser 70 % bzw. 350 Euro pro Monat, weil er 70 % des Gesamteinkommens verdient.

Das Gemeinschaftskonto oder ein 3-Konten-Modell als praktikable Lösung

Ein Gemeinschaftskonto ist besonders geeignet für Ehepaare, wenn sich ein Partner nicht zu sehr mit den Finanzen beschäftigen möchte. Dann übernimmt zumindest der andere die Haushaltsbuchführung, die gemeinsamen Finanzen und die Altersvorsorge. Doch auch dieses Modell hat Nachteile. Vor allem, wenn einer viel mehr konsumiert als der andere.

Beim 3-Konten-Modell fließen die gemeinsamen Einnahmen und Ausgaben auf ein Konto. Was dann nach den gemeinsamen Kosten übrig bleibt, wird geteilt und dann an die jeweiligen persönlichen Konten überwiesen. Somit hat jeder sein persönliches Budget, das er für die Altersvorsorge nutzen oder einfach für Konsum ausgeben kann. Aber auch dieses Modell hat Nachteile.

Welche Auswirkung hat eine Ehe auf die Familienfinanzen?

In der Ehe gilt die Zugewinngemeinschaft. Also alle Einnahmen während der Ehe, inklusive der Entwicklung von Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien, werden genau zu Hälfte geteilt bei einer Scheidung. Das betrifft auch Schulden! Sollte ein Partner das Konto überziehen, haftet der andere. Auch, wenn die Konten getrennt sind. Alles, was in die Ehe eingebracht wurde, bleibt den Ehepartnern auch nach der Ehe. Also spiegelt ein Gemeinschaftskonto bzw. das 3-Konten-Modell die Realität in einer Ehe wider.

Viele machen einen Ehevertrag, um genau festzuhalten, was wem gehört hat. Das hilft viele Streitereien zu vermeiden. Es gibt auch Eheverträge, die die gesetzlich geregelte Zugewinngemeinschaft aufheben für Partner, die vollkommen unabhängig voneinander sein möchten.

Falls du nicht verheiratet bist, du und dein Partner unterschiedlich verdient oder ihr Kinder habt, dann ist ein Partnerschaftsvertrag eine gute Alternative.

Extratipp: Ein ETF-Sparplan am Anfang des Monats

Für alle Kontenmodelle gilt: Gleich am Anfang des Monats einen ETF-Sparplan einzurichten ist sehr sinnvoll. Denn wenn du dir diese Abbuchung zur Gewohnheit machst, bleibst du eher am Ball. Sogar kleine Beträge lassen sich gewinnbringend an der Börse investieren, für deine Altersvorsorge oder ein anderes Sparziel in vielen Jahren. Denn eine lange Haltedauer und ein breit diversifiziertes Investment ist wichtig, um das Risiko einer Geldanlage an der Börse zu reduzieren.

Entscheidungsbaum Kontomodell

Vielleicht hilft dir auch der Entscheidungsbaum, das richtige Kontomodell für dich und deine Familie zu finden.

Entscheidungsbaum Kontomodell

Fazit:

Auch mit getrennten Konten lässt sich eine faire Lösung finden, die gemeinsamen Finanzen zu organisieren, es ist nur mit viel Arbeit verbunden. Denn gerade bei getrennten Konten ist es wichtig, ein Haushaltsbuch zu führen und monatlich die Kosten auszugleichen. Alternativ ist das auch über eine App denkbar.

Mithilfe eines ETF-Sparplans immer am Anfang des Monats ist es eher erfolgversprechend, langfristig zu sparen. Schon kleine Beträge kannst du gewinnbringend und mit wenig Gebühren an der Börse investieren.

Wie hast du deine Finanzen mit deinem Partner organisiert? In „Meine Mäuse – der Finanzpodcast für die Familie“ sprechen Nico und ich zum Thema Kontenmodell in der Familie. Hör doch mal rein.

Über dein Kommentar freue ich mich schon sehr. Auch gerne in die Facebook-Gruppe für unabhängige Mütter. Hier kannst du erfahren, wie andere Frauen das machen.

2 Kommentare

  1. Meiner Meinung nach ist es zu kurz gedacht, einfach sämtliche Ausgaben nach Einkommen zu verteilen und dieses Modell als fair zu bezeichnen. Das ganze muss man jeder mit seinem Partner besprechen und eine individuelle Lösung finden, mit der beide einverstanden sind.
    Das Modell passt zum Beispiel nicht, wenn einer nur Teilzeit arbeitet, obwohl er Vollzeit arbeiten könnte und quasi einen Ausgleich über dieses Modell erhält bei viel größerer Freizeit – Konfliktpotenzial! Auch bei unterschiedlichem Konsumverhalten passt es nicht. Das Beispiel, was ihr oben gebracht hat, dass einer ständig über seine Verhältnisse lebt, wird meiner Meinung nach noch gefördert durch so eine Regelung, weil einer ja dank Partner ein vermeintlich höheres Budget hat, als er ohne Partner hätte.
    Ein Haushaltsbuch ist absolut sinnvoll, keine Frage. Aber solange beide berufstätig sind, finde ich persönlich eine hälftige Aufteilung der Kosten fairer. Dann kann man bei größeren gemeinsamen Anschaffungen wie einem Auto oder bei Urlauben auch viel besser ein gesundes Mittelmaß finden und so konsumieren, dass beide es sich leisten können.
    Sobald Kinder im Spiel sind und einer nicht mehr Vollzeit arbeiten kann, sollte man das Einkommen natürlich auf irgendeine Art ausgleichen. Aber auch hier gilt es, eine individuelle Lösung zu finden und das schafft man nur über reden. Dadurch, dass solche Modelle, wie das oben, kompromisslos als fair angepriesen werden, ohne auf individuelle Situationen zu schauen, werden schnell einzelne benachteiligt, was die Problematik Geld noch verschärft.

    1. Hallo Andreas, vielen Dank für deinen Kommentar! Tatsächlich haben wir das vor den Kindern, trotz gemeinsamen Haushalt, genauso gemacht wie du das beschreibst. Also alles 50/50 geteilt. Selbst, wenn wir etwas unterschiedlich viel verdient haben. Dann hat in unserem Fall derjenige, der mehr verdient hat, weniger ausgegeben für Urlaube und die Miete, als er eigentlich könnte. Das hat großartig geholfen beim Sparen!

      Als wir dann die Kinder kamen, fanden wir persönlich das System nicht mehr so praktikabel und fair. Und bei der Ehe werden sowieso alle Einnahmen geteilt.

      Jedenfalls nehme ich sehr gerne deinen Kritikpunkt mit auf in den Text!

      Viele Grüße, Eva

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