Das beste Kontenmodell für die Familie

Getrennte Konten oder ein Gemeinschaftskonto? Die Vor- und Nachteile

Zu Beginn einer Beziehung sprechen die wenigsten über Geld und persönliche Finanzen. Schließlich ist das Thema nicht unbedingt romantisch. In der ersten Zeit ist das auch durchaus verständlich. Doch wird es spätestens aktuell, wenn Paare in einen gemeinsamen Haushalt ziehen. Dann tauchen schnell Fragen auf, wie: Wer übernimmt welchen Anteil an der Miete? Wer kommt für die Ausgaben im Supermarkt auf und wer lädt wen in den Urlaub ein?

Besonders komplex wird es dann, wenn jeder unterschiedlich viel verdient oder einer beruflich zurücksteckt, um für die Kinder da zu sein. Viele fragen sich, wie dann die gemeinsamen Finanzen geregelt werden können. Dafür gibt es keine einfache Antwort, jeder findet etwas anderes gerecht. In diesem Artikel werden die häufigsten Kontenmodelle mit den Vor- und Nachteilen vorgestellt.

Eines vorweg: Ein kluges Kontenmodell, um die gemeinsamen Finanzen zu strukturieren, hilft viel Geld sparen. Doch nur, wenn zu Beginn des Monates automatisch ein gewisser Anteil der Einnahmen abgezogen wird, beispielsweise für die Ausbildung der Kinder, den Notgroschen oder die Altersvorsorge. Viele beginnen mit 10 % der gemeinsamen Einnahmen. Dieses Geld sollte dabei nicht einfach geparkt, sondern klug investiert werden.

Vielleicht siehst du es als großen Verzicht, dass gleich so viel am Anfang des Monats abgezogen wird. Dann hilft es, deine Sichtweise dahingehend zu ändern: Den ganzen Monat über bezahlst du deinen Vermieter, die Bank, den Supermarkt oder den Klamottenladen. Wann fängst du an, dich selbst zu bezahlen? Genau das ist dieser Sparbetrag am Anfang des Monats, wenn du ihn klug anlegst: Eine Investition in dich und deine Familie!

Der simple Weg: Das Gemeinschaftskonto

Manche Familien oder Paare wählen ein Gemeinschaftskonto. In dieses Konto fließen alle Einnahmen, von Gehalt, Kindergeld, bis zu Kapitalerträgen oder sonstigen Einnahmen. Auch alle Ausgaben werden ausschließlich über dieses Konto geregelt.

Vorteile:

  • Die volle Transparenz ist gegeben, denn jeder weiß genau, wie viel der andere einnimmt und ausgibt. Dieses Wissen hilft beiden, überhaupt ein effektives Gespräch über die gemeinsamen Finanzen zu führen.

  • Wenn ihr ein Haushaltsbuch führt – also genau aufschreibt, wie viel und für was Geld ausgegeben wird im Haushalt – ist das bei einem Gemeinschaftskonto viel einfacher umzusetzen. Ein umständliches Berechnen von einem gerechten Anteil pro Ausgabe entfällt.

  • Kein Partner hat das Gefühl, dass der einer zu oft einlädt. Alles stammt aus einem gemeinsamen Topf.

  • Geringe Kontogebühren, denn diese fallen pro Konto und nicht pro Kunde an.

  • Manchmal interessiert sich ein Partner nicht für die Familienfinanzen sowie für eine kluge Geldanlage oder die Altersvorsorge und möchte möglichst wenig damit zu tun haben. Dann ist es durchwegs sinnvoll, wenn der andere, also zumindest einer, dies übernimmt. Ein gemeinsames Konto bietet sich da an.

    Langfristig könnte sich derjenige, der sich nicht für Geld interessiert, fragen, woher diese Einstellung kommt und welche Nachteile diese langfristig haben könnte. Die Scheidungsquote pro Jahr sinkt zwar, doch wird noch immer gut ein Drittel der Ehen geschieden in Deutschland. Gut, wenn jeder weiß, wie es finanziell weitergeht.

Nachteile:

  • Es ist einfach schwieriger, den anderen einmal einzuladen. Der schöne Restaurantbesuch oder der spannende Städtetrip verliert bei manchen etwas an Reiz, wenn es vom gemeinsam Ersparten bezahlt wird und es keine echte Einladung ist.

  • Was, wenn einer von beiden viel mehr für scheinbar „Unnötiges“ ausgibt als der andere? Wie lassen sich stundenlange Diskussionen darüber vermeiden? Sehr selten sind beide Partner gleich sparsam.

    Diskussionen über Geld sind innerhalb von Familien und Partnerschaften sehr häufig. Laut Forsa-Umfrage ist Geld sogar das Streitthema Nummer 1! Hier gilt es, sich schon im Vorhinein einen Ausweg zu überlegen.

  • Beide Partner haften für die Schulden und stehen für die Tilgung ein auf dem gemeinsamen Konto. Du solltest dir also genau überlegen, mit wem du ein gemeinsames Konto eröffnest.

Scheinbar bequem: Getrennte Konten

Fast alle Paare haben zu Beginn je ein Girokonto. Viele führen das Konten-Modell auch so fort. Manchmal auch aus Bequemlichkeit, oft auch, weil innerhalb der Familie so selten über Geld gesprochen wird. Sobald jedoch einer deutlich mehr verdient als der andere oder Kinder da sind, wird es schwierig mit einer gerechten Aufteilung. Die scheinbar bequeme Variante kann ganz schön aufwändig werden. Denn jede einzelne Ausgabe muss genau erfasst und gegebenenfalls Ende des Monats gegengerechnet werden.

Vorteile:

  • Einfach zu Beginn. Üblicherweise hat jeder Partner schon ein Girokonto, über das alle Zahlungen eingehen. Sind persönliche Finanzen und Geld kein Thema in der Beziehung, wird dieses Modell üblicherweise genauso weitergeführt. Auch, wenn einer der beiden später weniger verdienen sollte als der andere. Die Finanzen bleiben getrennt.

  • Eine klare Trennung der Finanzen kann viel Diskussion ersparen, vor allem wenn beide ungefähr gleich viel verdienen. Ist ein Partner sparsamer als der andere, muss nicht jede Ausgabe einzeln durchgesprochen werden.

  • Viele denken, dass der Partner nicht zu viel über die eigenen Ausgaben wissen sollte. Dann ist die Variante mit getrennten Konten sinnvoll.

Nachteile:

  • Vor allem, wenn einer der Partner beruflich zurücksteckt für die Familie, empfinden viele getrennte Finanzen innerhalb der Familie nicht mehr gerecht. Das ist nicht verwunderlich: Die Erziehung der Kinder kann auch anstrengend sein und Arbeit bedeuten, bezahlt wird sie jedenfalls nicht. Der Elternteil, der weiterhin voll berufstätig ist verdient ohne weitere Einschränkungen. Spätestens jetzt sollte ein Ausgleich gefunden werden.

  • Manchmal ist es so, dass große Anschaffungen wie das neue Auto oder der schöne Urlaub von dem Mann bezahlt werden, die täglichen Ausgaben im Haushalt jedoch von der Frau. Die kleinen Ausgaben summieren sich jedoch auch. Hier ist eine genaue Haushaltsbuchführung notwendig, um die Kosten im Blick zu haben.

  • Wenn Partner unterschiedlich oft verdienen, möchte der eine vielleicht mehr ausgeben für die gemeinsame Wohnung oder den gemeinsamen Urlaub. Derjenige, der weniger verdient, kann da meist nicht mithalten und lebt im schlimmsten Fall über seine Verhältnisse. Werden die Finanzen gemeinsam geführt, kommt es nicht zu dieser Situation, denn dann werden alle Ausgaben von einem Topf bezahlt.

Selbstverantwortung stärken: Das 3-Konten-Modell

Es gibt noch einen dritten Weg: Das Familien-Budget verwalten mit einem 3-Konten-Modell! Das ist nicht kompliziert: Dabei wird ein gemeinsames Konto genutzt für die Einnahmen. Auch alle fixen, alltäglichen Ausgaben, wie Miete, Energie, Transport, Energie, Kinderbetreuung und Lebensmittel werden von diesem Konto abgebucht. Was dann übrig bleibt, wird durch zwei geteilt. Die Beträge werden anschließend jeweils auf persönliche Konten überwiesen.

Falls ihr verheiratet seid: In einer Ehe gilt die Zugewinngemeinschaft, sofern das nicht ausgeschlossen wurde in einem eventuellen Ehevertrag. Falls du also verheiratet bist, spiegelt das 1-Konten-Modell oder das 3-Konten-Modell die Realität wider: Alle Einnahmen und Ausgaben werden geteilt. Beim 3-Konten-Modell ist es nur besser möglich, dass beide gleichwertig über ihre Hälfte bestimmen.

Vorteile:

  • Der größte Brocken der Ausgaben, die Fixkosten, werden miteinander geteilt. Ein umständliches Errechnen der Anteile jedes Partners wie zum Beispiel beim 2-Konten-Modell ist nicht mehr notwendig.

  • Ein großer Vorteil ist, dass das gemeinsame Konto nur genutzt wird für die Einnahmen und Fixkosten. Zumeist wird dieses Konto daher nicht überzogen. Kein Partner muss also für die Dispo Schulden des anderen bürgen.

  • Wenn ein Partner sparsamer ist als der andere, dann muss sich dieser ab sofort nicht mehr ärgern über Verschwendungssucht: Er bezahlt nur für die gemeinsamen Fixkosten. Was der andere mit seiner Hälfte des Geldes macht, die nach den Fixkosten anfallen, bleibt jedem selbst überlassen.

  • Diese Kontostruktur stärkt die Selbstverantwortung: Jeder kann selbst bestimmen, wie viel er investieren will: Entweder in die eigene Altersvorsorge oder doch lieber für den Konsum im jetzt.

  • Endlich ist es möglich, den anderen von seinem Teil des Geldes wieder einzuladen. Zu dem nächsten Restaurant oder Kinobesuch beispielsweise.

  • Nicht jede Ausgabe ist für den anderen ersichtlich. Manche empfinden es als Erleichterung, nicht jede Position zu rechtfertigen und so wieder etwas Selbstständigkeit zu erlangen.

Nachteile:

  • Sollte ein Partner weniger einnehmen, dann steuert dieser anteilig weniger zu den Fixkosten bei. Das empfinden manche als ungerecht.

  • Nach den Fixkosten wird das eingenommene Geld genau hälftig aufgeteilt. Manche empfinden auch das als nicht gerecht. Vielleicht genau der, der viel mehr verdient als der andere. Denn es bleibt viel weniger für das Investieren und Konsum, wenn er alles teilen muss.

  • Vielleicht hat sich ein Partner bewusst dazu entschieden, einen besonders lukrativen Job anzunehmen. Der andere geht mehr seinen Leidenschaften nach, die nicht so gut bezahlt werden. So empfindet der eine, der mehr verdient, es als doppelt ungerecht. Schließlich muss er oder sie einer ungeliebten Arbeit nachgehen und verdient dafür nicht mehr.

    In dem Fall könnte sich der Partner fragen, warum er so empfindet und ob ein Jobwechsel nicht für beide besser wäre. Der eine fühlt sich wohler im Beruf, der andere profitiert von einem ausgeglichenen Partner.

Vielleicht hat auch dir eine Auflistung der Vor- und Nachteile geholfen, ein für dich und deine Familie passendes Kontomodell zu finden.

Oder hast du schon ein Modell, mit dem du zufrieden bist? Welches Kontomodell hast du für deine Familie gewählt?

3 Kommentare

  1. Mein Mann und ich haben in 22 Jahren schon verschiedene Kontenmodelle ausprobiert.

    Vor der Heirat hatten wir ein Gemeinschaftskonto für Lebensmittel und Benzin, das laufend leer war. Blöd. Und jeder sein Konto. Gut.

    Als unser Sohn auf die Welt kam, gaben wir unsere zwei Konten auf und richteten ein einziges Konto ein. Da mein Mann sechs Jahre Hausmann war, musste er jede seiner Ausgaben vor mir rechtfertigen. Ganz schlecht für alle Beteiligten. Besser wäre gewesen, das Kindergeld plus X auf ein eigenes Konto zu überweisen.

    Inzwischen haben wir zwei vollkommen getrennte Konten, sogar bei unterschiedlichen Banken. Wir arbeiten wieder beide. Mein Mann bezahlt Strom und Heizung, sein Benzin, seine Versicherungen und seine Hobbys. Ich kaufe die Lebensmittel, Kinderkleidung und zahle meine Dinge. Die finanzielle Eigenständigkeit gefällt uns beiden am besten. Auch, weil unser Umgang mit Geld sehr unterschiedlich ist. Ich bin sparsam bis beinahe geizig, mein Mann nicht so.
    Viele Grüße von Kerstin

  2. Ich finde getrennte Konten überhaupt nicht gut, aber das muss jedes Paar für sich selbst entscheiden. Als meine Frau und ich zusammen gekommen sind, haben wir unsere Konten und Schulden zusammen geworfen und jeder trägt sein Teil dazu.

    Mal verdient der eine mehr oder mal der Andere, meine Frau ist seid 4 Jahren in Elternzeit und ich sitze mit Kurzarbeit wegen Corona daheim. Was bringt es, wenn jeder sein eigenen Kampf führen muss.

    Keiner von uns muss sich rechtfertigen für etwas, was er haben muss. Unser Vorteil wird aber wohl sein, das wir den gleichen Umgang mit unseren Finanzen haben.

    Es ist kein leichtes Thema, aber ich wäre immer für ein Gemeinschaftskonto.

    Gruß Stefan von

    Familien Finanzen im Griff

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar! Ja, das Thema finde ich auch nicht einfach. Hoffentlich konnte der Artikel so ein paar Vor- und Nachteile beleuchten um die Entscheidung besser zu treffen. Schön, dass ihr eine Art gefunden habt, die ihr beide gut findet!

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