getrennte Konten

Getrennte Konten in der Ehe mit Kindern: Wie eine faire Lösung aussehen kann

Geld ist das Streitthema Nummer 1 bei Familien.

Das ist nicht überraschend. Schließlich müssen wir jeden Tag über die gemeinsamen Finanzen entscheiden. Klar, dass die Meinungen häufig auseinander gehen. Doch vieles lässt sich mit einem passenden Kontomodell klären. In unserer Familie haben da einiges ausprobiert:

Am Anfang unserer Beziehung versuchten wir es mit getrennten Konten. Als wir heirateten, probierten wir das 3-Konto-Modell aus. Sobald die Kinder da waren, haben wir uns entschlossen, ein gemeinsames Konto zu führen.

Einige Paare bestehen trotz Kinder auf getrennte Konten. Sie wollen die Finanzen unabhängig voneinander führen. Das ist durchaus verständlich. Vielleicht gehört ihr ja auch dazu. Es gibt Möglichkeiten, die Familienfinanzen auch bei diesem Kontenmodell zu regeln. Hier erfährst du die besten Tipps dafür.

Den Artikel im „Meine-Mäuse Podcast“ hören

Du kannst diesen Artikel auch bequem im Podcast „Meine Mäuse – der Finanzpodcast für die Familie“ hören. Mein Finanzbloggerkollege Nico von Finanzglueck.de und ich sprechen über die verschiedenen Kontenmodelle.

Eine faire Aufteilung der Kosten finden

Falls du getrennte Konten mit deinem Partner führst, doch viele gemeinsame Ausgaben hast, dann diskutierst du wahrscheinlich über eine gerechte Aufteilung der gemeinsamen Kosten. Unter anderem sind häufige Streitpunkte wie folgt:

  • Ein Partner möchte oder kann deutlich mehr für die gemeinsame Wohnung, das Auto oder den Urlaub ausgeben. Der andere lebt ständig über seine Verhältnisse. Das Sparen für beispielsweise die eigene Altersvorsorge ist für denjenigen kaum denkbar.

  • Ein Partner steckt beruflich zurück für die Kinder, zumeist ist das die Mutter. Die Arbeit zu Hause mit den Kindern und dem Haushalt kann auch anstrengend sein, bezahlt wird sie jedenfalls nicht. Die Transferleistungen des Staates decken nicht die Kosten in der Elternzeit.

  • Ein Partner verzichtet auf ein höheres Einkommen, weil er oder sie mehr Freizeit möchte oder für eine Branche arbeitet, die nicht sehr lukrativ ist. Der andere Partner viele Jahre studiert, um jetzt mehr zu verdienen.
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Wer zahlt was in der Ehe?

Wollt ihr alles genau hälftig oder nach Einkommen aufteilen? Schlussendlich muss jedes Paar seinen Weg finden. Doch vor allem mit Kindern und wenn einer die unbezahlte Sorgearbeit übernimmt, ist eine Aufteilung nach Einkommen sinnvoll.

Wie wird eine Aufteilung nach Einkommen berechnet? Angenommen Partner A verdient 2.000 Euro netto und Partner B verdient 3.000 Euro netto. Gesamt sind das 5.000 Euro netto Haushaltseinkommen.

Partner A steuert 40 % des Haushaltseinkommens bei (2.000 / 5.000 = 0,4), also bezahlt er 40 % der Ausgaben. Partnerin B steuert 60 % des Haushaltseinkommens bei (3.000 / 5.000 = 0,6), also bezahlt sie 60 % der Ausgaben.

Wie wird die Kostenaufteilung umgesetzt mit getrennten Konten in der Ehe?

Du siehst schon, bei getrennten Konten ist das disziplinierte Führen eines Haushaltsbuches und viel Rechnerei nötig, um eine faire Lösung zu schaffen. Mittlerweile gibt es zahlreiche praktische Apps, die eine Aufteilung erleichtern.

Gemeinsames Ausgabenkonto einrichten (Das 2+1 Kontomodell)

Du könntest ein gemeinsames Ausgabenkonto für deinen Partner und dich einrichten, auf das jeder einen gewissen Betrag überweist. Dieser Betrag kann entweder gleich hoch oder nach dem Einkommen geteilt sein. Über dieses Konto bezahlen du und dein Partner fortan alle eure gemeinsamen Ausgaben. Das Konto ist wirklich nur für Ausgaben gedacht. Der monatliche ETF-Sparplan für die Altersvorsorge wird weiterhin von den persönlichen Konten eingezogen.

Konto eröffnen bei der Tomorrow-Bank

Die Tomorrow-Bank* bietet Einzel- und Gemeinschaftskonten mit Unterkonten. Gleichzeitig kannst du mit deinem Konto deinen CO2-Fußabdruck ausgleichen. Mit kostenloser Visa-Kreditkarte. Eröffne dein nachhaltiges Girokonto in nur 8 Minuten auf deinem Smartphone. Spare Zeit, Geld und schätze das Klima – jeden Tag! Jetzt Tomorrow abschließen!

Kosten Aufteilen mit Finanz-Apps

Mittlerweile gibt es viele Finanz-Apps am Markt, die helfen bei der Kostenaufteilung mit getrennten Konten. Hier eine Auswahl:

Splitwise

Hier erfasst ihr all eure Ausgaben und teilt sie am Ende des Monats schön übersichtlich auf. Es ist möglich, eine andere Teilung einzustellen als 50:50. Somit ist auch beispielsweise eine Aufteilung nach Einkommen möglich. Freunde und Kinder könnt ihr auch einladen, um gewisse Kosten untereinander zu splitten. Die App ist kostenlos. Bequem kannst du per Paypal Beträge begleichen.

Splitwise on Google Play Store

Splitwise on App Store

Tricount

Auch die App Tricount bietet eine ansprechende, intuitive Benutzeroberfläche. Die App ist kostenlos und verbunden mit Paypal. Rechnungen hinzufügen sind ganz einfach per Foto möglich. Einfach den Link zu Tricount mit deinem Partner teilen, und der kann auch die seine Kosten hinzufügen.

Tricount on Google Play Store

Tricount on App Store

Splid

Eine weitere App, die auch excel und pdf Export teilweise gegen Bezahlung bietet, ist Splid. Ansonsten ist die App kostenlos. Auch hier ist ein ungleiches Aufteilen der gemeinsamen Kosten denkbar.

Splid on Google Play Store

Splid on App Store

Einkommensausgleich für Kindererziehung bei getrennten Konten

In einer Partnerschaft tritt meist zumindest einer beruflich zurück, um die Kinder zu erziehen. Bei getrennten Konten und vor allem, wenn ihr nicht verheiratet seid, sollte hier ein Lohnausgleich stattfinden. Der Partner, der weiterhin Vollzeit arbeitet, könnte die Hälfte oder besser, den Anteil der seinem oder ihrem Einkommen entspricht, dem anderen zurückerstatten.

Ein Beispiel: Partner A verdient um 500 Euro weniger pro Monat, seit dem er in Teilzeit arbeitet und die Kinder erzieht. Partner B erstattet entweder die Hälfte (250 Euro pro Monat) oder besser 70 % (350 Euro pro Monat) weil sie 70 % des Gesamteinkommens verdient.

Die neuen Einkommen von Partner A und Partner B dienen nun als Basis dafür, die Ausgaben nach Einkommen zu teilen.

Musst du Schenkungssteuer bezahlen für den Einkommensausgleich?

Beachte auch die Schenkungssteuer beim Einkommensausgleich. Alle Überweisungen, die einen Freibetrag von 20.000 Euro bei unverheirateten Paaren und 500.000 Euro bei verheirateten Paaren innerhalb von 10 Jahren übersteigen, müssen versteuert werden. Eine Ausnahme besteht nur, wenn die Kosten alleine für die Lebenshaltung und nicht für den Vermögensaufbau des Partners verwendet wird. Das musst du jedoch schriftlich festhalten und beweisen.

Freistellungsauftrag bei getrennte Konten

Jeder Sparer erhält Kapital- und Zinseinkünfte von bis zu 801 Euro pro Jahr steuerfrei, Ehepartner bekommen zusammen 1.602 Euro.

Du kannst gemeinsam oder getrennt von deinem Partner einen Freistellungsauftrag beantragen. Nur der gemeinsame Freistellungsauftrag muss von beiden unterschrieben werden.

Es ist also möglich, für jedes Konto je einen Einzelfreistellungsauftrag zu beantragen. Du brauchst für dein Konto nur deine Steuer-ID.

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Eine Konto-Vollmacht für den Ernstfall

Keiner beschäftigt sich gerne mit Themen wie Tod und Krankheit. Auch wir haben das Thema lange vor uns hergeschoben. Eine gute Vorsorge ist aber wichtig, vor allem wenn du Kinder hast. Ein Baustein dafür ist die Konto-Vollmacht.

Stell dir vor, dein Partner hat einen Autounfall und liegt viele Monate im Krankenhaus. Er ist nicht mehr ansprechbar. Alle wichtigen Überweisungen wie die gemeinsame Miete oder Kreditrückzahlungen laufen über sein Konto.

Was bedeutet es für dich, wenn du in dieser schwierigen Zeit keine Rechnungen mehr bezahlen kannst?

Bei all der Trauer und dem Schock möchtest du wahrscheinlich nicht noch finanzielle Probleme haben. Daher ist es sinnvoll, du sorgst schon heute vor. Wenn ihr kein gemeinsames Konto habt, dann ist eine gegenseitige Konto-Vollmacht sinnvoll. Damit könnt ihr im Notfall wichtige Zahlungen ausführen.

Das Gemeinschaftskonto oder ein 3-Konten-Modell als praktikable Lösung

Ein Gemeinschaftskonto ist besonders geeignet für Ehepaare, wenn sich ein Partner nicht zu sehr mit den Finanzen beschäftigen möchte. Dann übernimmt zumindest der andere die Haushaltsbuchführung, die gemeinsamen Finanzen und die Altersvorsorge. Doch auch dieses Modell hat Nachteile. Vor allem, wenn einer viel mehr konsumiert als der andere.

Beim 3-Konten-Modell fließen die gemeinsamen Einnahmen und Ausgaben auf ein Konto. Was dann nach den gemeinsamen Kosten übrig bleibt, wird geteilt und dann an die jeweiligen persönlichen Konten überwiesen. Somit hat jeder sein persönliches Budget, das er für die Altersvorsorge nutzen oder einfach für Konsum ausgeben kann. Aber auch dieses Modell hat Nachteile.

Bei allen Kontomodellen ist die Schenkungssteuer ein Thema.

Welche Auswirkung hat eine Ehe auf die Familienfinanzen?

Bei der Scheidung einer Ehe gilt die Zugewinngemeinschaft. Es wird daher berechnet, wie viel jeder Partner am Beginn und am Ende der Ehe besitzt. Die Hälfte der Differenz davon wird jedem Partner zugesprochen.

Beispiel:

Partner APartner B
Vermögen bei Eheschließung50.000 Euro50.000 Euro
Vermögen bei Scheidung100.000 Euro20.000 Euro

Wertentwicklung Partner A: 100.000 Euro – 50.000 Euro = 50.000 Euro Gewinn
Wertentwicklung Partner B: 20.000 Euro – 50.000 Euro = – 30.000 Euro Verlust

Partner A muss Partner B 25.000 Euro (die Hälfte des Gewinns) + 15.000 Euro (die Hälfte des Verlusts) ausgleichen und zahlt somit 40.000 an Partner B bei Scheidung.

Ausgenommen hiervon sind Erbschaften während der Ehe. Diese werden allein dem Erben zugerechnet und behandelt, als wären sie eingebracht zu Beginn der Ehe. Nur die Wertentwicklung der Erbschaft während der Ehe wird wieder geteilt.

Während der Ehe gilt jedoch die Gütertrennung. Jeder Ehepartner kann sein eigenes Vermögen verwalten, ohne den anderen um Erlaubnis zu bitten. Kein Partner haftet für die Schulden des anderen, es sei denn die Bank verlangt das bei der Kreditaufnahme mit Unterschrift. Nur beim gemeinsamen Konto haftest du für die Schulden des anderen auf diesem Konto.

Falls du nicht verheiratet bist, du und dein Partner unterschiedlich verdient oder ihr Kinder habt, dann ist ein Partnerschaftsvertrag eine gute Alternative.

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Extratipp: Ein ETF-Sparplan am Anfang des Monats

Für alle Kontenmodelle gilt: Gleich am Anfang des Monats einen ETF-Sparplan einzurichten ist sehr sinnvoll. Denn wenn du dir diese Abbuchung zur Gewohnheit machst, bleibst du eher am Ball. Sogar kleine Beträge lassen sich gewinnbringend an der Börse investieren, für deine Altersvorsorge oder ein anderes Sparziel in vielen Jahren. Denn eine lange Haltedauer und ein breit diversifiziertes Investment ist wichtig, um das Risiko einer Geldanlage an der Börse zu reduzieren.

Fazit:

Auch mit getrennten Konten lässt sich eine faire Lösung finden, die gemeinsamen Finanzen zu organisieren, es ist nur mit viel Arbeit verbunden. Denn gerade bei getrennten Konten ist es wichtig, ein Haushaltsbuch zu führen und monatlich die Kosten auszugleichen. Alternativ ist das auch über eine App denkbar.

Mithilfe eines ETF-Sparplans immer am Anfang des Monats ist es eher erfolgversprechend, langfristig zu sparen. Schon kleine Beträge kannst du gewinnbringend und mit wenig Gebühren an der Börse investieren.

Führst du ein getrenntes Konto oder ein gemeinsames Konto in der Familie? Über dein Kommentar freue ich mich schon sehr.

2 Kommentare

  1. Meiner Meinung nach ist es zu kurz gedacht, einfach sämtliche Ausgaben nach Einkommen zu verteilen und dieses Modell als fair zu bezeichnen. Das ganze muss man jeder mit seinem Partner besprechen und eine individuelle Lösung finden, mit der beide einverstanden sind.
    Das Modell passt zum Beispiel nicht, wenn einer nur Teilzeit arbeitet, obwohl er Vollzeit arbeiten könnte und quasi einen Ausgleich über dieses Modell erhält bei viel größerer Freizeit – Konfliktpotenzial! Auch bei unterschiedlichem Konsumverhalten passt es nicht. Das Beispiel, was ihr oben gebracht hat, dass einer ständig über seine Verhältnisse lebt, wird meiner Meinung nach noch gefördert durch so eine Regelung, weil einer ja dank Partner ein vermeintlich höheres Budget hat, als er ohne Partner hätte.
    Ein Haushaltsbuch ist absolut sinnvoll, keine Frage. Aber solange beide berufstätig sind, finde ich persönlich eine hälftige Aufteilung der Kosten fairer. Dann kann man bei größeren gemeinsamen Anschaffungen wie einem Auto oder bei Urlauben auch viel besser ein gesundes Mittelmaß finden und so konsumieren, dass beide es sich leisten können.
    Sobald Kinder im Spiel sind und einer nicht mehr Vollzeit arbeiten kann, sollte man das Einkommen natürlich auf irgendeine Art ausgleichen. Aber auch hier gilt es, eine individuelle Lösung zu finden und das schafft man nur über reden. Dadurch, dass solche Modelle, wie das oben, kompromisslos als fair angepriesen werden, ohne auf individuelle Situationen zu schauen, werden schnell einzelne benachteiligt, was die Problematik Geld noch verschärft.

    1. Hallo Andreas, vielen Dank für deinen Kommentar! Tatsächlich haben wir das vor den Kindern, trotz gemeinsamen Haushalt, genauso gemacht wie du das beschreibst. Also alles 50/50 geteilt. Selbst, wenn wir etwas unterschiedlich viel verdient haben. Dann hat in unserem Fall derjenige, der mehr verdient hat, weniger ausgegeben für Urlaube und die Miete, als er eigentlich könnte. Das hat großartig geholfen beim Sparen!

      Als wir dann die Kinder kamen, fanden wir persönlich das System nicht mehr so praktikabel und fair. Und bei der Ehe werden sowieso alle Einnahmen geteilt.

      Jedenfalls nehme ich sehr gerne deinen Kritikpunkt mit auf in den Text!

      Viele Grüße, Eva

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