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Meine 5 größten finanziellen Fehler

Ein nüchterner Blick auf die finanziellen Fehler der Vergangenheit hilft, diese in Zukunft zu vermeiden. Irgendwann muss man sich einfach der unangenehmen Wahrheit stellen, dass nicht alles glatt gelaufen ist. Besonders, wenn schon einige Jahre ins Land gegangen sind, klappt das mit der Analyse besser. Die Zeit macht die Gedanken klarer.

Fehler begeht jeder, vor allem bei den persönlichen Finanzen.

Es gibt einfach zu viele „Berater“ mit Interessenskonflikten, die mit Provisionen bezahlt werden. Ihr Produkte sind unnötig komplex und vor allem in Vergangenheit waren die Gebühren versteckt. Noch heute versteht kaum jemand die Knebelverträge. Auch wird viel zu wenig über persönliche Finanzen und eine kluge Geldanlage gesprochen. Lieber halten wir fest an Mythen wie „Mieten ist rausgeschmissenes Geld.“

Was waren nun in Rückblick meine größten finanziellen Fehler und warum habe ich die begangen?

Ganze 5 Fehler habe ich entdeckt in den letzten 15 Jahren. Das ist eine Menge, finde ich. Diese Zahl hat mich überrascht, obwohl sie mir eigentlich sehr vertraut sein müsste. Schließlich beschäftige ich mich nicht erst seit gestern mit Geldanlagen. Dazu kommt, dass ich einen Finanzblog und einen Finanzpodcast gegründet habe. In dunklen Momenten frage ich mich, ob ich überhaupt weiß, worüber ich schreibe und rede.

Bei den 5 Fehlern betrachte ich nur meine finanziellen Entscheidungen ab meinem 25. Lebensjahr. Überlege ich mir ernsthaft, wie viele Jahre und Jahrzehnte meine Eltern und ich das Geld davor am Girokonto schlummern ließen, finde ich kein Ende mehr. Klar, es waren kleine Sparsummen, doch mit dem Zinseszinseffekt und einer Anlage an der Börse wäre dann doch ein Vermögen zustande gekommen.

Nun lasst uns aber beginnen: Hier folgen meine finanziellen Fehler in der Reihenfolge von weniger bis sehr schmerzhaft. Hoffentlich könnt ihr auch etwas mitnehmen und so Anlagefehler vermeiden.

Platz 5: Die Kapitallebensversicherung

Das war eine Lebensversicherung in Österreich, die ich in 2007 abgeschlossen habe. Wofür braucht eine 25-Jährige eigentlich eine Lebensversicherung? Damals war niemand ökonomisch von mir abhängig.

Egal. Der Staat Österreich hat das ganze schließlich mit 10 Euro monatlich bezuschusst. Ab 2013 habe ich die Versicherung prämienfrei gestellt, da ich beruflich nach Deutschland gezogen bin und Österreich die Förderung eingestellt hat. Ich hätte mir damals keine bessere Investition in meine Karriere und Einkommensaussichten vorstellen können, als diesen Jobwechsel nach Deutschland. Der Umzug in ein anderes Land sieht die staatliche Förderung jedoch nicht vor. Hier zeigt sich wieder dieses wenig zeitgemäße Regelwerk. Ich musste sogar 3 % Gebühren bezahlen für die entgangenen Prämien.

Einbezahlt habe ich insgesamt 10.800 Euro. Zurück erhalten habe ich das Konstrukt in 2015 für 11.600 Euro. Das macht eine jährliche Rendite von ungefähr 1 %. Die Gebühren für den darunter liegenden, aktiv gemanagten Fonds mit 5 % Ausgabeaufschlag waren kein Schnäppchen. Dazu kamen Abschlussgebühren für die Versicherung und die staatliche Förderung, die ich teilweise wieder zurückzahlen musste für meine frühe Entnahme.

Die Inflation in den Jahren war im Durchschnitt 1,85 %. Es war also für mich ein Verlust. Die Rendite auf den MSCI World wäre in dieser Zeit 5,5 % pro Jahr gewesen. Damit hätte ich 13.280 Euro mein eigen nennen können, selbst ohne staatliche Hilfe.

Platz 4: Die betriebliche Altersvorsorge als Entgeltumwandlung

Nach dem abrupten Ende meiner österreichischen Altersvorsorge habe ich mich in Deutschland auf die Suche nach einer Alternative gemacht. Die betriebliche Altersvorsorge mit 2 % Garantierendite pro Jahr, die ich dann 2013 abgeschlossen habe, ist nun auf Platz 4 meiner finanziellen Fehler. Monatlich habe ich ca. 400 Euro von meinem Bruttogehalt eingezahlt über 4 Jahre. Der Vorteil ist: Bei ca. 30 % Einkommenssteuer habe ich in der Zeit ungefähr 6.146 Euro an Steuern gespart. Trotzdem habe ich die Rente in 2017 prämienfrei gestellt. Bis dahin haben sich 20.489 Euro angesammelt.

Warum habe ich die Entgeltumwandlung gestoppt? Das Geld wird mir erst monateweise ausgezahlt, wenn ich das gesetzliche Rentenalter erreicht habe. Was wahrscheinlich erst in 30 Jahren sein wird. Davor habe ich keinen Zugriff. Das erschien mir zu unflexibel. Zudem werde ich auch nicht mein ganzes Leben bei einem Arbeitgeber verbringen und mich vielleicht selbstständig machen. Meinen Vertrag hätte ich da nicht ohne weiteres mitnehmen können.

Im Ruhestand muss ich die Rente voll versteuern. Da ich gesetzlich krankenversichert bin, kommen Beiträge für Krankenversicherung und Pflegeversicherung hinzu.

Aber ausschlaggebend war: Ein ETF ist viel lukrativer. Ich kann zwar nicht 400 Euro pro Monat investieren sondern nur 280 Euro, da die staatliche Förderung wegfällt. Lasse ich einen ETF-Sparplan über 280 Euro weiterlaufen bis zur Rente bei einer realen Rendite von 5 % pro Jahr werden daraus 237.518 Euro, wenn ich Steuern abziehe. Davon könnte ich mir nach der vereinfachten Entnahmeregel der Frugalisten (4 % Entnahme pro Jahr ohne Kapitalverzehr) 790 Euro pro Monat in der Rente auszahlen. Das schafft die betriebliche Vorsorge nicht. Die will mir nur 434 Euro pro Monat garantieren oder eine einmalige Kapitalauszahlung von 125.201 Euro.

Platz 3: Aktiv gemanagte Fonds

Seit 2010 habe ich nahezu mein gesamtes Erspartes in mehrere, breit diversifizierte und aktiv gemanagte Fonds investiert. Edelmetalle wie Silber und Gold und Rohstoffe waren auch mit von der Partie. Dazu hat mir ein Finanzberater geraten. Bis 2016 habe ich damit im Durchschnitt eine Rendite von 4 % pro Jahr erwirtschaftet. Die Rendite auf einen ETF auf den MSCI World in der Zeit waren 12,8 % pro Jahr. Mich hat das umgehauen.

Trotzdem ist es nur Platz 3, obwohl es zahlenmäßig das größte Desaster war für mich. Zumindest habe ich in Aktien investiert. Auch wenn ich nur auf einen Berater auf Provisionsbasis gehört habe. Damals waren mir ETFs noch kein Begriff und ich war zu unsicher, ob ich das alleine schaffen kann.

Platz 2: Teilweiser Verkauf meines Aktienportfolios, um ein Eigenheim zu erwerben

Jetzt tut es schon richtig weh. 2016 wollte ich das Projekt Eigenheim ernsthaft angehen. Schließlich ist ja Miete immer herausgeschmissenes Geld und ein Eigenheim die beste Altersvorsorge. Für diesen Mythos habe ich einen Teil meiner Aktien verkauft, um über genug Eigenkapital zu verfügen. Das mit dem Eigenheimkauf hat nicht geklappt, wofür ich jetzt froh bin. Denn erst viele Monate nach meinem Aktienverkauf habe ich „Kaufen oder Mieten“ von Gerd Kommer*gelesen und mir wurde sehr viel klar. Ein Eigenheim rund um eine deutsche Großstadt wäre einfach zu kostspielig gewesen für uns zu der Zeit. In den rund 4 Jahren, die ich gebraucht habe, um wieder voll investiert in Aktien zu sein, habe ich auch eine Rendite von 10 % pro Jahr verpasst. Aua. Doch selbst schuld.

Platz 1: Anlageimmobilie zur Vermietung

In meiner Heimatstadt in Österreich mit noch halbwegs angemessenen Kaufpreisen war ich besonders angetan von einer kleinen Wohnung, die ich kaufen wollte um sie zu vermieten. Sie ist gut gelegen, hell, im fünften Stock mit Blick auf die Berge, natürlich auch mit Aufzug. Eine Bruttomietrendite von 6,3 % habe ich mir errechnet mit Einschätzung der Maklerin. Das wäre für professionelle Vermieter zu gering, doch für mich war das auch etwas Emotionales. Doch war meine Rechnung, was die mögliche Mieteinnahmen betreffen, zu optimistisch. Nachdem ich die Wohnung ausgeschrieben habe, waren die Bewerber zurückhaltend, bis ich die Miete um 50 Euro pro Monat reduziert habe. Dann ging es doch relativ schnell mit dem Einzug und der ersten Mieteinnahme.

Trotzdem schmerzt der Leerstand doppelt, denn ich habe den Kauf für die Wohnung gehebelt mit einem Kredit. Der war zwar einmalig günstig mit nur 1 % p.a. Als Kreditnehmer muss ich aber trotzdem tilgen, auch wenn ich nichts einnehme.

Zwar war der Verlust hier nicht mein schlimmster in nackten Zahlen. Doch es war der schmerzhafteste. Warum? Weil ich mich zu sehr auf das Versprechen der Maklerin verlassen habe. Ich hätte es mittlerweile besser wissen müssen mit meinen Erfahrungen. Und ich habe die Wohnung nicht als nüchterne Geldanlage betrachtet, sondern auch unter emotionalen Gesichtspunkten. Sie hat mir gefallen. Da wollte ich der zu hohen Mietversprechung nur zu gerne Glauben schenken.

Fazit:

Alle meinen teuren Fehler bei den Finanzen lassen sich rückblickend auf drei Denkfehler eindampfen.

Erstens: ich war überzeugt, dass eine Altersvorsorge oder Geldanlage durch Steuerersparnis lukrativ wird. Zweites: ich habe mir selbst nicht viel zugetraut und mich auf Berater mit Interessenskonflikten verlassen. Doch der entscheidende Denkfehler war: Ich habe Produkte gekauft, die ich nicht verstanden habe, weil ich dachte, ich versäume sonst eine gute Gelegenheit.

Der Kater nach diesem Cocktail aus Irrtümern, Wunschdenken und Mythen lässt sich nur mit Finanzwissen kurieren. Das Finanzwissen ist bei vielen noch nicht gefestigt. Mit kinderleichtefinanzen.de hoffe ich, etwas mehr Klarheit in die persönliche Finanzen zu bringen, und selbst viel dazuzulernen.


Was war dein schmerzhaftester Fehler bei den Finanzen? Über dein Kommentar freue ich mich sehr.

2 Kommentare

  1. Guten Tag,
    zu Platz 4 müsste man noch etwas hinzufügen, es gibt für die Kranken- und Pflegeversicherung einen dynamischen Freibetrag von derzeit ca. 160€ monatlich. Da eine betriebliche Altersvorsorge im Falle von Arbeitslosigkeit (ALG 2) vor dem staatlichen Zugriff sicher ist(anders als ein Wertpapierdepot), bietet diese Methode auch Vorteile(Arbeitgeberbeteiligung) für die „Basisvorsorge“ im Alter. Natürlich verzichtet man auf Rendite aber als Ergänzung KANN es sinnvoll sein. Stand 2017 gab es diesen Freibetrag natürlich nicht.

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