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Die besten Tipps für ein frugales Leben

Hast du schon von einem frugalen Lebensstil, oder Frugalismus, gehört? Dabei handelt es sich um eine Philosophie. Frugalisten fragen sich, was sie im Leben wirklich glücklich macht. Und das sind zumeist keine Konsumgüter wie ein Flachbildfernseher oder das neueste Smartphone. Viel wichtiger ist es, die Zeit bewusst mit Erlebnissen und anderen, lieben Menschen zu füllen. Zentral für Frugalisten ist auch die finanzielle Unabhängigkeit. Denn wenn du keinen Kredit mehr abbezahlen musst oder nicht von einem Arbeitgeber abhängig bist, dann kannst du freier entscheiden, wie und wo du lebst. Viele träumen schon von einer Rente mit 40 oder ein Leben ganz ortsunabhängig, vielleicht in Bali. Doch was sind die besten Tipps für ein frugales Leben?


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Die 4 %-Regel oder die 25er-Regel

Jedem Frugalisten ist die 4 %-Regel, auch 25er- Regel genannt, ein Begriff. Diese Regel besagt, dass du finanziell frei bist, wenn du über das fünfundzwanzigfache deiner jährlichen Ausgaben verfügst. Wenn du also pro Monat 2.000 Euro für das Leben brauchst, sind das jährlich 24.000 Euro pro Jahr. In dem Fall solltest du zumindest 600.000 Euro besitzen. Denn dann könntest du jedes Jahr 4 % davon entnehmen und das Übrige weiterhin investiert lassen. Frugalisten nehmen an, dass sie damit für den Rest ihres Lebens auskommen. Denn wenn das Kapital weiterhin investiert bleibt, sollte es die 4 % Entnahme jedes Jahr wieder gut ausgleichen können.

Du musst keine eins in Mathe haben, um zu wissen, dass du die finanzielle Freiheit viel schneller erreichen kannst, wenn du weniger Geld zum Leben brauchst.

Haushaltsbuch führen

Um deine Ausgaben immer im Blick zu haben, hat es sich bewährt, ein Haushaltsbuch zu führen. Hier trägst du nach Kategorien alle Ausgaben ein und entdeckst so Möglichkeiten zum Sparen. Wenn du schon das Sparziel vor Augen hast, wie früher in Rente zu gehen, klappt das vermutlich besser.

Hoffentlich ist dann das tägliche Brötchen beim Bäcker, das auf den Monat hochgerechnet gut und gerne über 100 Euro kostet, nicht mehr ganz so verlockend. Mit einem Haushaltsbuch erkennst du jedenfalls solche Ausgaben, die leicht zu vermeiden sind aber sich summieren, schnell.

Frugalisten rühmen sich damit, eine Sparquote von 50 % oder gar 60 % ihrer Einnahmen zu haben.

Bewusst konsumieren und sparsam leben

Das Einkommen zu erhöhen ist eine langfristige Aufgabe. Schon jetzt kannst du aber anfangen, deine Ausgaben zu reduzieren. Für die meisten ist das viel effektiver.

Frugalisten sehen das Sparen nicht als Verzicht, sondern als grundsätzliche Lebenseinstellung. Denn wenn du selbst frisch kochst mit regionalen Lebensmitteln, auf unnötige Kosmetika verzichtest, am besten kein oder nur ein gebrauchtes Auto kaufst und vielleicht öfter mal Abenteuer in der Region erlebst, anstatt die teure Reise zu buchen, lassen sich viele hundert Euro pro Monat sparen. Wie lange müsstest du arbeiten, um das zu verdienen?

Trotz frugalem Lebensstil ist die Zeit erfüllt mit Freunden und der Familie. Das ist es schließlich, was zählt.

Die 173-Regel und 752-Regel

Bei soviel sparen über einen langen Zeitraum kann einem durchaus die Puste ausgehen. Da brauchen selbst Frugalisten zusätzliche Motivation. Dafür haben sie die 173- und die 752-Regel eingeführt. Dann ist es viel greifbarer für sie, wie viel ein Konsumgut wirklich kostet: nämlich nicht nur die paar Euro heute, sondern viele tausend in 10 Jahren!

Multipliziere deine regelmäßigen, wöchentlichen Ausgaben mit 752 oder deine regelmäßigen monatlichen Ausgaben mit 173. Dann weißt du, wie viel du in 10 Jahren gespart hättest, solltest du heute verzichten.

Dabei wird ausgegangen, dass du das gesparte Geld investierst und eine Rendite von 7 % pro Jahr erwirtschaftest. Das ist hoch, doch in Vergangenheit war das realistisch mit dem Kauf von Aktien. Die 7 % Rendite pro Jahr sind keinesfalls konstant. Mal fallen die Kurse, mal steigen sie darüber hinaus. Die Regel ist daher nur eine Annäherung, um sich selbst zu motivieren.

Ein Auto kostet gut und gerne 500 Euro pro Monat inklusive Wertverlust, Versicherung und Sprit. Du hättest in 10 Jahren satte 86.500 Euro mehr im Depot, wenn du kein Auto hast. Das Brötchen beim Bäcker jeden Morgen für gesamt 25 Euro pro Woche kostet dich in 10 Jahren 18.800 Euro.

Geld klug investieren

Du konntest etwas an Geld sparen? Gratuliere! Doch am Ersparten auf dem Konto nagt die Inflation, so ist die finanzielle Freiheit später kaum denkbar. Doch schon kleine Beträge können in einen ETF investiert werden. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist ein Investment an der Börse sinnvoll. Dein Zeithorizont sollte mindestens 15 Jahre sein. So lange dauert es aus Erfahrung auch, ein so großes Ziel wie finanzielle Freiheit zu erreichen.

Viele Frugalisten denken, dass es unmöglich ist, mit einem Immobilienkredit fürs Eigenheim ein frugales Leben zu führen. Denn ist der Kredit für das Eigenheim abbezahlt, dann verringern sich zwar deine Wohnkosten, du musst aber noch andere Kosten wie Lebensmittel und Transport von deinem Vermögen bezahlen. Vom Haus kannst du jedenfalls nicht 4 % pro Jahr verkaufen.

Die Theorie mit dem Eigenheim kann nicht pauschal beantwortet werden. Jedenfalls ist ein sinnvoll, beim Kauf auf ein gutes Kaufpreis-Miete-Verhältnis zu achten.

Mehrere Einkommensquellen erschließen

Auf den Weg zur finanziellen Freiheit und einem frugalen Leben ist es sehr förderlich, wenn du dein Einkommen erhöhst. Einerseits ist das möglich durch mehr Gehalt und einer erfolgreichen Gehaltsverhandlung. Doch Frugalisten setzen nicht alles auf eine Karte, in dem Fall auf nur einen Arbeitgeber. Sie suchen beispielsweise Immobilien zur Vermietung, Aktien oder nach einer nebenberuflichen Tätigkeit als weitere Standbeine, sollte dieser Arbeitgeber ausfallen. Dafür gibt es ein inspirierendes Beispiel mit Katrin von financialindependencerocks.com. Es ist einfacher gesagt als getan, nebenberuflich Geld zu verdienen. Viel Disziplin, Zeit und Durchhaltevermögen sind notwendig, denn über viele Monate und Jahre ist der Gewinn üblicherweise sehr klein. Ein durchschnittlicher Millionär verfügt über 7 verschiedene Einkommensquellen. Dann lasst uns besser heute als morgen starten!

Umziehen und Lebenskosten senken

Menschen, die ortsunabhängig denken, können viel Geld sparen. Eine naheliegende Lösung ist es, in ein Land zu ziehen, wo die Lebenshaltungskosten viel geringer sind als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Versicherungen bieten sogar Krankenversicherungen im Ausland an für digitale Nomaden.

Doch auch im deutschsprachigen Raum könntest du viel Geld sparen, wenn du aufs Land ziehst mit nicht so optimaler öffentlicher Anbindung. Die Miete oder der Kaufpreis, die höchsten Ausgaben im Leben einer Familie, sind dort viel geringer. Du solltest nur mit einberechnen, dass du dann eventuell ein Auto brauchst. Diese teure Anschaffung meiden Frugalisten für gewöhnlich.

Wenn du im Home-Office arbeitest oder nicht mehr an einem bestimmten Ort angestellt bist, wäre der Umzug durchaus möglich. Viele Frugalisten sind selbstständig, und können ihren Arbeitsort frei wählen.

Es gibt aber auch kreative Lösungen: Manche eröffnen mit Freunden und bekannten Familien eine Wohngemeinschaft oder ziehen wieder in die Nähe oder gar ins Haus der Eltern. Mit Großeltern oder Freunden aufwachsen kann etwas Wunderbares sein für Kinder und auch die Eltern.

Selber machen statt auslagern

Ein weiterer, zentraler Punkt beim Frugalismus ist das Selber machen und reparieren. Ich bin oft überrascht, was alles selbst gemacht werden kann: Vom Waschmittel zur Gesichtscreme, von Möbelstücken bis hin zu Tiny Homes. Unlängst war ich mit meinem Sohn beim Repair Café. Dort wurde unser kaputter Milchschäumer wieder instand gesetzt. Bis heute funktioniert er tadellos. Klar, dass man so viel Geld sparen kann und gleichzeitig die Ressourcen schont.

Frugalisten lieben es zu lernen, wie sie Dinge reparieren. Wenn ich meine Kinder beobachte, kann ich sehr gut nachempfinden, wie viel Freude dieses Gefühl von Selbstständigkeit bereitet. Gestern konnte mein Sohn zum ersten Mal schaukeln, in dem er sich selbst in Schwung brachte. Er platzte vor Stolz.

Kritik am Frugalismus

Die Philosophie des Frugalismus erscheint vielen extrem. Nicht verwunderlich, dass einige diese Lebensform kritisieren und bezweifeln, dass sie realistisch ist. Die Hauptkreditpunkte sind:

Ein frugales Leben mit Kindern ist nicht möglich

Kinder sind ein großes Geschenk. Doch sind sie mit einem frugalen Leben sehr schwer zu vereinbaren. Nicht nur müssen Eltern mehr für Kleidung, Wohnraum, Transport und gegebenenfalls Ausbildung bezahlen. Der richtig kniffelige Teil ist, dass Eltern zumeist Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Das kostet, vor allem in Westdeutschland, Mütter ein Vermögen von über 700.000 Euro über die Lebenszeit. Es ist verständlich, dass sich die Prioritäten verschieben. Schließlich sind die Kinder nur einmal klein und wir möchten die Zeit mit Ihnen genießen. Es ist nur wichtig, dass dieser sehr erhebliche Posten bei einem frugalen Leben beachtet wird.

Rechne jederzeit mit der Krise

Was passiert, wenn du direkt vor einer Krise deinen Job kündigst und dein Depotwert fällt? Was, wenn sich das Depot über Jahre nur seitwärts bewegt und die 4 % Entnahme am Kapital zehrt? Für viele ist kaum vorstellbar, dass diese Entnahmestrategie über einen längeren Zeitraum möglich ist. Doch vielleicht findest du ja einen anderen Weg und hast ein Nebeneinkommen, das eine Krise abfedert. Wenn du dich so eingehend mit deinen Finanzen beschäftigst, wie es eben Frugalisten tun, wirst du eine kluge Wahl treffen.

Soviel Sparen kann die Laune verderben

Ein oft genutztes Argument ist, dass das viele Sparen und das Leben für die Zukunft sehr freudlos ist. Was soll all das Streben nach finanzieller Freiheit, wenn wir einen Unfall haben oder sogar sterben, bevor wir das Geld ausgeben können?

Frugalisten führen an, dass sie nicht auf den Spaß verzichten. Sie fragen sich einfach, was ihnen wirklich Freude bereitet. Sie versuchen bewusst zu konsumieren und den Rest wegzulassen. Oder wie ein gut bekanntes Zitat sagt:

The best things in life are free.

Janet Jackson

Fazit:

Frugalismus ist nicht für jeden etwas. Vor allem für Familien ist es eine Herausforderung, frugal zu leben, Vermögen aufzubauen und gleichzeitig viel Zeit mit den Kindern zu verbringen. Doch Eltern, die auf einen bewussten Konsum und einen sparsamen Umgang mit den Ressourcen achten, sind sicherlich ein tolles Vorbild für die Kleinen. Nicht für jeden ist der extreme Weg des Frugalismus und eine Sparquote von 50 % oder 60 % des Einkommens das Richtige. Viele wenden ein, das wäre ohnehin nur etwas für Besserverdiener. Doch mit den wichtigsten Tipps für ein frugales Leben könnten wohl alle zumindest kleine Beträge zur Seite legen. In den Augen der Frugalisten sind wir ohnehin reicher und der finanziellen Freiheit näher mit einem kleinen Einkommen und einer moderaten Sparquote als mit einem hohen Einkommen, das vollständig für Konsumgüter und Kredite ausgegeben wird.


Was verbindest du mit Frugalismus? Bist du sogar ein Frugalist? Das würde mich sehr interessieren.

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